Nehemia-03: Erneuerung des Bundes

Wiederaufbau Jerusalems

Teil 2a

 

 

EINLEITUNG

Das Buch Nehemia besteht aus zwei Hauptteilen:

Im ersten Teil (1-7) wird vom äusseren Aufbau Jerusalems berichtet. Nehemia kam 445 v. Chr. mit der Vollmacht des persischen Königs nach Jerusalem und sorgte für den Wiederaufbau der Stadtmauern. Er diente 12 Jahre lang als Statthalter (5,14) von Jerusalem (445-433 v. Chr.).

Im zweiten Teil (8-13) wird von der geistigen Erweckung der Juden berichtet. Hier übernimmt Esra, der Priester und Schriftgelehrte, die Hauptaufgabe, indem er das Gesetz Mose vorliest und wieder in Kraft setzt. Esra kam dreizehn Jahre früher als Nehemia (458 v. Chr.) nach Jerusalem. Im zweiten Teil Nehemias geht es darum, dass das Volk den Bund mit Gott erneuert und sich wieder an das Gesetz Mose hält.

 

KAPITEL 8: VORLESUNG DES GESETZES UND FEIER DES LAUBHÜTTENFESTES

Vorlesung (V. 1-8)
Das ganze Volk versammelt sich im Monat Tischri. Der erste Tag im siebten Monat ist der Neujahrstag der Juden (Num 29,1; Lev 23,24). An diesem Tag wurde früher ein Signal geblasen (Num 10,10). An diesem Tag fanden früher Vorlesungen aus dem Gesetz statt. Durch die Versammlung wird die Einheit unter dem Volk Gottes gestärkt. Das Volk wünscht diese Vorlesungen wieder zu hören und bittet Esra.  Männer und Frauen und grössere Kinder, die Gottes Worte verstehen können, sitzen zusammen.

Der Schriftgelehrte und Priester Esra wird auf ein extra angefertigtes Podium gestellt, so dass ihn alle hören können, wenn er aus dem Gesetz Mose vorliest. Gott ordnete Mose und Josua an, alles in ein Buch zu schreiben (Ex 17,14; 24,4-8; Jos 1,7-8). Auch Josua las aus dem Gesetz Mose vor (Jos 8,34-35). Jedem König war es geboten eine eigene Abschrift des Gesetzes erstellen zu lassen, um regelmässig darin zu lesen (Dtn 17,18-19). Das Gesetz Mose beinhaltet die zehn Gebote (Ex. 20) mit allen Anweisungen im Pentateuch, samt dem Segen oder Fluch (Dtn 28,58-61). Zur Rechten und Linken Esras stehen Leviten, die die Worte des Gesetzes übersetzen (in versch. Sprachen; 13,23-24) und auslegen. Es ist interessant zu sehen, dass das Volk nach über 1'000 Jahren keine neuen Gebote empfängt, sondern an die „alten“ Gesetze erinnert wird (1Joh 2,24).

Das Volk zeigt grosse Ehrfurcht vor dem Wort Gottes. Es geht nicht bloss um ein gefühlsmässiger Respekt gegenüber dem Wort Gottes, sondern um die richtige Erkenntnis (Hos 4,6; Spr 6,23). Gottes Gebote sind vollkommen, verlässlich, gerecht (Ps 19,8-12). Es geht darum, dass alle Gottes Gebote lieben lernen (Ps 119,1-18.127).

Mittagszeit (V. 9-12)
Der Tirschata war eine Person mit grosser Autorität (Neh 7,65.70). Das Volk hatte grossen Respekt vor dem Tirschata (hebr. gefürchtet). Nehemia war der Tirschata, d. h. auch Statthalter. Weshalb trauerte und weinte das Volk, als es die Worte aus dem Gesetz hörte? Als dem König Josia aus dem Gesetz Gottes vorgelesen wurde, zerriss er seine Kleider (2Kön 22,11-13.19; 2Chr 34+35): 2Kön 22,11.16-17). Der Herr rechnete ihm seine Gottesfurcht hoch an (2Kön 22,18-20; 23,3). Josia bemühte sich echt um eine Reformation (2Chr 34,1-7). Die Situation in Nehemias Zeit ist ganz ähnlich. Das Volk erkannte, dass es sich schwer wider den Herrn versündigte,

indem es seine Gebote verlassen hatte (Neh 1,6-11; Jer 3,21),

indem es den Bund mit Gott gebrochen hatte (Dtn 28).

Die Führer beruhigten das Volk indem sie sagten, dass dieser Tag dem Herrn geweiht ist (V. 9). Die Israeliten sollen sich freuen, denn sie haben folgende Gründe:

- Sie sind befreit worden aus der babylonischen Gefangenschaft.

- Die aufgebauten Mauern in Jerusalem geben ihnen Sicherheit und Geborgenheit.

- Alle Verschuldungen sind getilgt. Ihr enteignetes Land haben sie wieder zurück erhalten. Damit lösten sich viele ihrer Alltagsprobleme und Sorgen. 

- Das Wort Gottes ist wieder in ihrer Mitte und wird nun täglich vorgelesen.

-  Sie dürfen sich auch freuen über ihre zivilen und religiösen Führer, die Gott und seine Gebote lieben und um das Volk besorgt sind.

- Am meisten aber dürfen sie Gottes Gegenwart und wundersame Kraft erleben.

Warum werden sie aufgefordert, Fett und Zucker zu sich zu nehmen? Weil das Zuhören und die Trauer sie entkräftet hat. Weil sie wieder zu Kräften kommen und Glücksgefühle haben sollen. Weil sie ein Freudenfest feiern sollen. Die Israeliten sollen auch mit denen teilen, die weniger begütert sind (Est. 9,22).

Laubhüttenfest (V. 13-18)
Am nächsten Tag lassen sich die Israeliten weiter aus dem Gesetz vorlesen. Das zeigt, dass es ihnen ernst ist und sie Einsicht gewinnen wollen über Gottes Wille. Sie wollen aber nicht nur ihre Erkenntnis erneuern, sondern auch nach Gottes Wille handeln (Jer 10,23).

Lektion:
Auch im NT hat der Herr einiges geboten, was nach 2000 Jahren von den meisten Menschen in Vergessenheit geraten ist. Darum ist es wichtig, dass auch wir in der Bibel forschen und nachschlagen, um zu verstehen, was der Wille des Herrn für uns heute ist (1Kor 4,6; 2Tim 3,16-17). Gott will nicht, dass wir uns nach menschlichen Traditionen und Lehren ausrichten (Mt 15,3-9; 1Kor 1,18-21).

Der siebte Monat (Sept. / Okt.) Tischri war für die Israeliten voller Feiertage:

Tag 1: Neujahrstag (Num 29,1), da wurde ins Horn geblasen (Lev 23,24-25).

Tag 10: Versöhnungstag, Jom Kippur (Lev 16), jährliche Opferung für die Sünden Israels (Lev 23,26-32).

Tag 15-21: Laubüttenfest (Sukkot = Hütten): Lev 23,34-43. Die männlichen Glieder der Familie bauten sich Hütten, um sieben Tage lang darin zu wohnen. Das Fest dient zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten, in denen Gott sein Volk in Hütten wohnen liess. Täglich fanden auf dem Brandopferaltar Wasserspenden statt (vergl. Jesu Herausforderung in Joh 7,2ff.).

Tag 22: Heilige Versammlung (Lev 23,33-36) als Abschluss des Laubhüttenfestes (Num 29,12-35): Dtn 31,9-13.

Es wird gesagt (V. 17), dass dieses Fest seit Josuas Zeit nicht mehr gefeiert wurde. Tatsächlich wurde es dreizehn Jahre zuvor unter Esra (3,4) schon gefeiert. Vermutlich wurde dieses Fest auch andere Male noch gefeiert. Trotzdem ist es erstaunlich, wie weit weg sich das jüdische Volk von Gottes Bund und Gesetzen entfernt hatten. Es geht in Nehemia nicht so sehr um die Anzahl, sondern um die Art und Weise, wie es gefeiert wurde. Seit den Tagen Josuas wurde es nicht mehr mit so grosser Freude und Begeisterung gefeiert vom Volk. Das jüdische Volk aus Babylon fühlt ähnlich, wie ihre Vorfahren damals, nachdem sie aus der ägyptischen Sklavschaft befreit wurden und in Hütten lebten (Ex 23,33-34; Lev 23,34-43; Dtn 6,13-16).

 

KAPITEL 9: NEHEMIAS BUSSGEBET FÜR DAS VOLK

Auf das Laubhüttenfest, das am 15. des Monats Tischri begann, folgte am 23. Tag ein Sabbat (Lev 23,39).

Am 24. Tag im Tischri fasten und trauern die Israeliten.
Sie legen Trauergewänder an und streuen Asche auf ihr Haupt. Die sackartigen Trauergewänder waren aus grobkörnigem Material und wurden zu Beerdigungen und anderen Trauertagen angezogen (Gen 37,34). Die Asche oder Erde auf dem Haupt ist Ausdruck der Demütigung vor Gott (Ps 51,19). Sie sondern sich von allen Fremden ab. Gott schloss allein mit dem Volk Israel einen Bund (Gen 12,1-3; 17,15-21). Das Volk wurde angewiesen, sich von den übrigen Völkern abzusondern (Ex 6,17; 2Kor 6,17).

Sie bekennen dem Herrn ihre Sünden und die ihrer Vorfahren. Sie hören die Vorlesung der Gebote des Herrn (Offb 1,3; 22,14.18-19). Ein Viertel des Tages sind 3 Stunden. Weitere 3 Stunden beteten sie zum Herrn. Die aufgelisteten Leviten führten das Volk in den Gebeten an (die beiden Namenslisten, in den Versen 4-5, enthalten nicht dieselben Namen).

Damit erneuern sie ihren verlassenen Bund mit Gott (Jos 24,1-2; Esr 9,10). Die mit Namen erwähnten Leviten führen das Volk an, mit den Worten (V. 5): „Preist den Herrn!“ Damit werden die Blicke auf den allmächtigen Gott gerichtet. Gott allein gebührt Ehre, Hoheit, Gewalt und Macht (Jud 25). 

Im längsten Bussgebet der Bibel wird die ganze Geschichte Israels aufgerollt. Gottes Berufung Abrahams und wundersame Befreiung der Israeliten aus Ägypten (V. 6-15). Zuerst wird Gott als Schöpfer, als Herrscher des Himmels und der Erde, gepriesen. Der Herr beruft Abraham aus Chaldäa (neu: Kasdäa). Der Herr befreit die Israeliten aus Ägypten. Der Herr übergibt Mose seine Anweisungen und sorgt für das Volk.

Gottes Gnade und Barmherzigkeit gegenüber dem undankbaren Volk in der Wüste (V. 16-23). Das Volk Israel handelt treulos in der Wüste, aber der Herr hält seine Treue: durch die Wolken- und die Feuersäule; durch seinen Geist, das Manna und das Wasser; durch den Sieg bei Auseinandersetzungen mit anderen Völkern; durch die Erfüllung der Verheissung ein zahlreiches Volk zu werden.

Gottes Beistand bei der Einnahme des verheissenen Landes bis zum Exil des Volkes (V. 24-31). Das gesegnete Volk wendet sich immer wieder ab vom Herrn. Der Herr errettet sein Volk viele Male aus der Bedrängnis. Schliesslich muss der Herr zusehen, wie sein widerspenstiges Volk von fremden Völkern ins Exil geführt wird.

Bitte, um Vergebung und Befreiung aus der selbstverschuldeten Knechtschaft Israels (V. 32-37). Vom Kleinsten bis zum Grössten haben sich alle gegen Gott verschuldet. Israel wollte nicht hören auf Gottes Mahnungen, deshalb befindet sie sich jetzt in grosser Not.

Lektion:
Was mit dem Volk Israel über Jahrhunderte geschah, spielt sich heute in den Herzen vieler Gläubigen ab.

 

KAPITEL 10: SCHRIFTLICHE VERPFLICHTUNG AUF GOTTES GEBOTE ZU HÖREN

Die Priester, Leviten und religiösen Führer unterschreiben eine Vereinbarung. Mit ihrer Unterschrift repräsentieren sie das Volk. Mit ihrer Unterschrift vereidigt und verschwört sich das ganze Volk gegenüber Gott.

Auch das übrige Volk verpflichtet sich einzeln zur Erneuerung des Bundes mit Gott. Die Israeliten bekundeten dies schon damals unter Mose einstimmig (Ex 24,7). Auch die Erneuerung des Bundes unter Josua wurde vom Volk einstimmig bekundet (Jos 24,24). Ohne die Mitbeteiligung des Volkes wären solche Vereinbarungen bloss Lippenbekenntnisse (2Kön 23,2-3).

Welche Verpflichtungen gehen die Israeliten mit dieser Vereinbarung ein?

1. Das Gesetz Mose generell wieder einzuhalten.

2. Keine Mischehen mehr einzugehen.

3. Strickte Einhaltung des Sabbats (Gen 2,2-3; Ex 20,8-11; 31,15; Dtn 5,12-15).

4. Jedes siebte Jahr das Sabbatjahr wieder zu beachten (Ex 23,10-13): Die Felder nicht zu ernten, sondern den Armen zu überlassen (Lev 25,1-7). Die Schulden ihrer jüdischen Brüder zu erlassen (Dtn 15,2). Alle hebräische Sklaven zu entlassen (Dtn 15,12). Diese besondere Zeit nutzen, um das Gesetz zu lesen und zu hören (Lev 25,1-7).

5. Weiter verpflichten sie sich einen Drittschekel jährlich als Steuer an den Tempel zu zahlen (Ex 30,12-16; später erhöhte sich diese Steuer, Mt 17,24-27).

6. Für die Holzlieferung, die für die Opferungen gebraucht werden, wieder aufzukommen (ursprünglich Aufgabe der Gibeoniten, Jos 9,22-27).

7. Die Erstlingsfrucht dem Herrn darzubringen (Ex 23,19; 34,26; Dtn 26,2).

8. Jede Erstgeburt dem Herrn zu weihen (Ex 13,2.14-15). Die Erstgeburt von Mensch und Tier den Priestern im Tempel zu bringen. Gemeint sind nur die reinen Tiere, die keine Fehler hatten.

9. Den Zehnten den Leviten zu entrichten, die kein Land besitzen dürfen (Lev 8,14-22; Num 3,12.45; Lev 18,20-24).

10. Die Priester, aus der Nachkommenschaft Aarons, sollen das Haus Gottes nicht mehr vernachlässigen, sondern dort Dienst tun.

Lektion:
Gibt es Veränderungen, die wir persönlich oder als Gemeinde vornehmen müssen, um Gottes Nähe wieder herzustellen? (ev. pers. Liste erstellen)