Wiederaufbau Jerusalems
Teil 1b
KAPITEL 4: ERFOLGREICHE VERTEIDIGUNG DES MAUERBAUS
Die Gegner verschwören sich gegen Nehemia (= mobbing, V. 1-2). Nehemia betet mit den Arbeitern zum Herrn (V. 3). Die Folge des Gebets: Den Arbeitern geht die Kraft aus (V. 4; Eph 2,8-10). Nehemia werden die Angriffspläne der Feinde gemeldet (V. 6). Die Arbeiter werden bewaffnet und nach Sippen geordnet (V. 7). Sie vertrauen dem Herrn u. sind bereit zu kämpfen für die Sache Gottes (V. 8). So machte Gott den Plan der Gegner zu Nichte (V. 9).
Nehemia geht taktisch sehr geschickt vor, indem er alle zur Verfügung stehenden Leute am Mauerbau beteiligt und jedem seinen Platz zuweist (V. 10-17). Die Hälfte arbeitet an der Mauer, während die andere Hälfte sich als bewaffnete Krieger aufstellen. Auch die Obersten der Stadt kann Nehemia für dieses Vorhaben gewinnen. Die Hälfte, die arbeitet, ist auch bewaffnet: In der einen Hand die Kelle, das Arbeitswerkzeug. In der andern Hand das Schwert.
Der Trompeter mit dem „Schofar“ steht immer neben Nehemia, um jederzeit Alarm zu blasen. Nehemia stellt die Arbeiter so auf, dass alle den Alarm jederzeit hören können. Auch in der Nacht stellen sie Wachen auf. Sie wechseln nicht einmal ihre Kleider, sondern sind 24 Stunden im Dauereinsatz. Die Wiederherstellung der Mauer dauert 52 Tage (Kap. 6,15).
Auch wir sollen unsere Waffenrüstung anziehen und bereit sein für Gottes Gemeindeaufbau zu arbeiten und zu kämpfen (1Kor 9,16-22; Eph 6,11-18). Jeder soll nach seinen Fähigkeiten am grossen Werk Gottes beteiligt sein. Satan wird versuchen, auch uns an der Arbeit zu hindern (1Thess 5,8-11). Satans Ziel ist es, auch uns zu entmutigen (siehe V. 4; 1Petr 5,8). So wie Nehemia die Leute ermutigte (V. 8), so sollen die Leiter der Gemeinden die Gläubigen ermutigen nicht aufzugeben (1Thess 2,11-12).
KAPITEL 5: NEHEMIA WENDET SICH AN DIE OBEREN DER STADT
Unter dem Volk entsteht ein verzweifeltes Aufschreien, weil sie unterdrückt werden von ihren Volksgenossen (V. 1-5). Der Klassenunterschied im Volk wird immer grösser. Die Oberen der Juden bereichern sich schamlos an den Bauern und Arbeitern. Die Familien hungern, weil die Nahrung zu teuer geworden ist. Es werden zu hohe Steuern einkassiert. Weinberge und Häuser müssen verpfändet werden. Sklavenarbeiten sind angesagt und es reicht immer noch nicht.
Kommt uns das bekannt vor? (Wie die heutige Wirtschaftslage!) Damit verletzen sie das Gesetz Mose (Ex 22,24-25; Dtn 23,19-20). Juden dürfen von Juden keine Zinsen einfordern, nur von Heiden. Die Reicheren im Land sind habgierig geworden.
Als Nehemia das sieht, wird er zornig und deckt diesen Missbrauch auf (V. 6-13). Sein Zorn ist heilig und artet nicht in einen Jähzorn aus (Eph 4,26). Er denkt über alles zuerst gründlich nach, bevor er handelt (V. 7). Erneut zeigt Nehemia sein grosses Verhandlungsgeschick. Als Statthalter von Jerusalem schart er eine grosse Lobby hinter sich und beruft eine Volksversammlung ein. In aller Öffentlichkeit stellt er die Machenschaften der Oberen an den Pranger, indem er sie des Wuchers anklagt. Er redet als Reicher zu den Reichen und braucht das Wort „wir“ (V. 8.10).
Mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, versucht er seine Landsleute freizukaufen. Doch nun werden sie erneut versklavt von ihren eigenen habgierigen Brüdern, die kaum einen Finger bewegen (3,5). Nehemia ordnet einen Schuldenerlass an. Er sagt nicht zu den Reichen: „Tut, was ich euch gebiete!“ Er sagt vielmehr (1Kor 4,16; 11,1): „Tut, was auch ich tue!“ Als Mundschenk des Königs, besetzt er nicht nur eine hohe Stellung mit grossem Einfluss, sondern verdient auch sehr gut. Deshalb kann er auch grosse finanzielle Opfer bringen. Und nun verlangt er, dass den Bauern ihre Felder und Weinberge zurückgegeben werden. Die Oberen sind sprachlos und einsichtig und erlassen den Bauern ihre Schulden.
Nehemias Selbstlosigkeit als Statthalter Jerusalems (V. 14-19). Er diente dem Volk Israel als Statthalter 12 Jahre, ohne einen Lohn dafür zu kriegen, nicht wie seine Vorgänger (V. 15). Er speiste grosszügig jeden Tag 150 Männer unentgeltlich an seinem Tisch. Nehemia (vermutlich unverheiratet) zählt zu den Wohlhabendsten im Land. Sein Reichtum hat ihn aber keineswegs habgierig gemacht (Mt 19,23-24). Er hat gelernt, dass Geben glücklicher macht als Nehmen (Apg 20,35). Er hat gelernt, dass Gott für die sorgt, die für andere sorgen (Lk 6,38). Er sammelt sich viel lieber Schätze im Himmel (Mt 6,20). Alles was Nehemia tat für das Volk das tat er aus Glauben an den lebendigen Gott (V. 5,19; 13,14).
KAPITEL 6: MORDPLÄNE GEGEN NEHEMIA
Nehemia lässt sich nicht einschüchtern (V. 1-9).
Sanballat, Tobija (= Samariter) und Geschem (= Araber) verschwören sich gegen den Gottesmann. Sie erkennen, dass es mit dem Mauerbau vorangeht. Das gefällt ihnen gar nicht. Um Nehemia zu töten, müssen sie ihn weglocken von den bewaffneten Israeliten. Vier Mal lassen sie ihn rufen, doch Nehemia hat ihre Arglist erkannt und sagt das Treffen jedes Mal ab. Mit der fünften Einladung verleumden die Gegner Nehemia mit der Begründung, er plane einen Aufstand gegen den Artaxerxes er lasse sich durch Priester eigenmächtig zum König über Juda einsetzen.
Der Brief könnte ähnlich überliefert worden sein, wie der Brief zur Zeit Hiskias (2Kön 18,17-19,14; 2Chr 32,9-20). Gaschmu ist vermutlich eine andere Form von Geschem (V. 6). Doch Nehemia lässt sich nicht provozieren. Ein Bote überbringt die Antwort, dass alles gelogen sei und Nehemia keine solchen Pläne habe (V. 8). Die Gegner haben nur ein Ziel: Nehemia und seine Leute einzuschüchtern (V. 9) und am Mauerbau zu hindern.
Nehemia bleibt fest mit dem Herrn verbunden. Er wendet sich bittend an den Herrn (Mk 9,23-24). Er bittet um Stärkung in seiner „grossen Arbeit“ (V. 3+9; Jes 41,10).
Nehemia verstösst nicht gegen Gottes Gebote (V. 10-14).
Als Nehemia zum Haus des Priester kommt, möchte der ihn im Allerheiligsten vor den Feinden verstecken. Gemäss dem Gesetz Mose ist das Allerheiligste nur für Priester zugänglich (Num 18,7; 2Chr 26,16-21). Nehemia erkennt sofort, dass der Priester - nicht von Gott gesandt ist, von seinen Gegnern gesandt ist, von seinen Gegnern gekauft wurde.
Der Priester Schemaja (10,9; 12,42) ist in seinem Haus „eingeschlossen“. Er darf das Haus nicht verlassen, weil er unrein ist (Lev 21,16-23; 22,2-9). Priester durften nicht ins Heiligtum Gottes, wenn sie sich verunreinigten. Unreinheit konnte körperlich oder zeremoniell entstehen. Nehemia bittet den Herrn immer wieder, sich seiner zu erinnern (5,19; 6,14; 13,14.22.31).
Die Mauern Jerusalems werden fertig gestellt (V. 15-19). In 52 Tagen wurden die Mauern wieder aufgebaut. Der Monat Elul ist der sechste Monat (Aug./Sept., zur Weinlese) im jüdischen Kalender. Selbst die Gegner, die am Anfang spotteten, fürchten sich nun (Dtn 28,9-10). Die Gegner müssen einsehen, dass hinter diesem gewaltigen Werk - nicht die grosse Anzahl der Bauleute steckt, sondern der unerschütterliche Glaube einer Minderheit, und vor allem aber die starke Hand Gottes, die durch Nehemias aussergewöhnliche Leitung wirkt.
Offenbar fand ein grosser Briefwechsel statt zwischen dem Ammoniter Tobija (2,10) und den Vornehmen Judas. Die Vornehmen Judas pflegten einen engen Kontakt zu lobten Tobija. Sie lobten Nehemia und die Wideraufbauarbeiten. Tobija hatte einen grossen Einfluss in Juda und musste unter Nehemia seine Vorratskammern wieder an den Tempel abtreten (13,4-9).
Lektion:
Nehemia ist ein aussergewöhnlicher Leiter und Gottesmann (Gal 6,7-10).
Er prüft alles mit dem Geist Gottes und trifft keine vorschnellen Entscheidungen.
Er lässt sich nicht einschüchtern durch Drohungen.
Er lässt sich nicht verführen zu Handlungen, die wider Gottes Gebote sind.
Er geht als grosser Führer in die Geschichte ein, weil er sich von Gott führen liess.
KAPITEL 7: VOLKSZÄHLUNG
Nehemia setzt einige Leute zum Dienst ein (V. 1-3). Torwächter, Sänger und Leviten. Als Oberbefehlshaber setzt Nehemia - Chanani (seinen Bruder) ein für die Stadt, und Chananja für die Burg (war zuverlässig und gottesfürchtiger als die Übrigen). Aus Sicherheitsgründen sollen die Tore erst geöffnet werden, wenn alle Bewohner der Stadt wach sind.
Verzeichnis der Rückkehrer (V. 4-72). Es waren ungefähr 50.000 Juden zurückgekehrt, die jedoch nicht alle in der Stadt lebten (siehe Liste in Esr 2,64-65). Offenbar gab es noch nicht genug Leute in der Stadt, um die nötigen Wachposten zu besetzen. Die besten Mauern und Tore nützen nichts, wenn es keine Wachen gibt. Um die Sicherheit und Verteidigung der Stadt zu gewährleisten, musste einer von Zehn sich in der Stadt registrieren lassen und dort leben (11,1). Zur Einweihung Jerusalems wird reichlich gespendet.
SCHLUSSFOLGERUNGEN
Durch seinen Glauben und seine Selbstlosigkeit gelingt es dem Junggesellen Nehemia die Mauern Jerusalems in 52 Tagen wieder aufzubauen und die Stadt zu sichern. Nach 142 Jahren war Jerusalem wieder befestigt (586-444 v. Chr.). Trotz einiger Widerstände hält Nehemia am Wiederaufbau fest. Nur durch grossen Einsatz und göttliche Führung gelingt Nehemia dieses Vorhaben.
Nehemia beweist starken Glauben und grosse Führungsqualitäten. Er besitzt auch ein aussergewöhnliches Verhandlungsgeschick. Die gute Hand Gottes war mit Nehemia.
Eine der Waffen Satans ist es, uns Gläubigen immer wieder Angst zu machen. Angst, Christus zu bekennen (Mt 10,28). Angst, unsere Entschlossenheit im Glauben zu schwächen (Hebr 10,39). Doch wir wollen uns nicht einschüchtern lassen, sondern wie Nehemia unermüdlich für die Gemeindearbeit des Herrn einstehen (Phil 1,28)!