Nehemia-04: Erneuerung des Bundes

Wiederaufbau Jerusalems

Teil 2b

 

 
KAPITEL 11: VERZEICHNIS DER LEITER

Selbst nach dem Wiederaufbau war Jerusalem nicht genügend attraktiv, so dass sich Freiwillige gemeldet hätten dort zu wohnen. Es wurde das Los geworfen und einer von Zehn musste in die Stadt umziehen. Die Umsiedler wurden für ihr Opfer hoch gelobt vom übrigen Volk. Aus Vers 4 geht hervor, dass vorwiegend Judäaer und Benjaminiten in die Stadt zogen.

Der Rest des Kapitels listet Namen, die sich in der Stadt niederliessen.

 

KAPITEL 12: EINWEIHUNG DER MAUER

Verzeichnis der Priester und Leviten (V. 1-26).

433 v. Chr. wird die Mauer der Stadt feierlich eingeweiht. Mit Freuden sagen Priester und Leviten Gott Dank für die Heimführung, den Wiederaufbau des Tempels und der Stadtmauer. Was taten die Priester und Leviten zur Vorbereitung dieses Freudenfestes?

- Sie reinigten sich, das Volk, die Tore und die Mauern (6,20).

- Wer vor Gott erscheinen will, der muss sich reinigen.

- Das gilt auch für uns, wenn wir uns zur Anbetung versammeln: Jak 4,8.

Nehemia stellt zwei Dankchöre und Festzüge auf (V. 31).

Es wurden auch grosse Schlachtopfer dem Herrn dargebracht (V. 43).

Der Lärm war bis in die Ferne zu hören (Esr. 3,13).

Zu jener Zeit wurde den Priestern und Leviten der Zehnte entrichtet (V. 44).

Die Wirkungszeit des Propheten Maleachi dürfte ca. 433 v. Chr. oder später begonnen haben. Vermutlich war Nehemia bereits nach Babylon abgereist. Die Zustände in Jerusalem verschlechterten sich schnell und dramatisch. Eine andere Möglichkeit wäre, dass Maleachi bei der erneuten Rückkehr Nehemias (ca. 430 - 425 v. Chr.) auftrat.

 

KAPITEL 13: NEHEMIA BESEITIGT MISSSTÄNDE

Im 32. Jahr des Artaxerxes (433 v. Chr.) zieht Nehemia nach Babel zurück (V. 6). Wir wissen nicht, wie lange er sich in Babel aufgehalten hat. Nehemia bittet den König erneut um Freistellung, damit er sich ganz der Stadt Jerusalem und ihrer Festigung widmen kann. Nehemia ist ca. 430 v. Chr. erneut nach Jerusalem gezogen und hat vermutlich Zeit seines Lebens dort als Statthalter gewirkt. Ungefähr 425 v. Chr. schrieb er, inspiriert durch den Heiligen Geist Gottes, das Buch Nehemia nieder.

Als Nehemia nach Jerusalem zurückkommt, ist alles wieder beim Alten. Die grosse Freude am Tempel Gottes und der Enthusiasmus sind verschwunden. Erst noch haben sie sich abgesondert von den Völkern und mit dem geschworen, sich an die Vereinbarungen zu halten (10,1.29-30). Alles, was sie sagten, sie würden tun, taten sie nicht, und alles was sie sagten, sie würden nicht tun, das taten sie wieder. Es ist viel leichter Steinmauern wieder aufzubauen als den Glauben der Menschen. Der Gottesmann steht vor seiner grössten Herausforderung.

Nehemia wendet sich an die Obersten mit der Frage (V. 11; 10,40c): „Warum ist das Haus Gottes [Tempel] verlassen?“

1. Weil sie Gottes Wille ignorierten und sich immer wieder mit den fremden Völkern einliessen (V. 1-3). Es war den Israeliten untersagt mit den Ammonitern und Moabitern anzubeten (Dtn 23,3-5). Das Haus Gottes bedeutete diesen Völkern nichts. Die Moabiter stammen von Lots älterer Tochter (Gen 19,38). Die Ammoniter stammen von Lots jüngerer Tochter (Gen 19,38). Bevor die Israeliten in das Land Kanaan eindrangen, lagerten sie sich in den Gefilden Moabs (Num 22,1). Der König der Moabiter stichelte den Wahrsager Bileam an, Israel zu verfluchen, doch Gott legte ihm nur segnende Worte in den Mund (Num 22; 23). Beide Völker haben Israel nicht als Volk Gottes geehrt und sind ihnen mit Brot und Wasser entgegengekommen. Sie hatten weder von Gott noch von seinen Plänen mit Israel eine Ahnung und kümmerten sich auch nie darum. Sie behandelten Gott, den Tempel und Israel respektlos. Die Israeliten versprachen sich abzusondern von den gottlosen Völkern (Esr 10,11).

Auch wir werden aufgerufen, uns abzusondern von den gottlosen Menschen unserer Zeit: 2Kor 6,14-18 (Röm 12,2a; Jak 4,4; 1Joh 2,15-17). Absondern bedeutet nicht in die Isolation treten! Wir können niemals das Salz der Welt sein, wenn wir uns isolieren (Mt 5,13-14). Wir leben in der Welt, aber wir sind nicht mehr von dieser Welt (Joh 17,16). Sich absondern bedeutet, sich fernhalten vom gottlosen Denken und Treiben der Menschen und am Glauben an den Herrn Jesus festhalten.

2. Weil Tobijas erneut die Vorratskammern des Tempels beschlagnahmte (V. 4-9). Eljaschib, der Hohepriester (V. 28), war verantwortlich für die Vorratskammern im Tempel. Er half mit, die Mauern wieder aufzubauen (3,1.20-21). In den Vorratskammern lagerte Weizen, Wein, Öl, Opfergaben, versch. Utensilien etc. Aus diesen Vorratskammern wurde den Leviten ihr Anteil entrichtet. Eljaschib überliess seinem Verwandten, Tobijas, diese Kammern für sein Geschäft. Zudem erlaubte er ihm mit seinem Hausrat in einem der Gästeräume einzuziehen. Das war eine Entweihung und ein grober Verstoss gegen das Gesetz.

Der Ammoriter Tobijas war ein klarer Feind Nehemias und hatte im Tempel nichts zu suchen (2,10.19; 4,3.7-8; 6,12-13.17-19). Er hinderte den Wiederaufbau des Tempels. Er richtete sich gegen Nehemia und den Mauerbau. Nehemia reinigte den Tempel, wie Jesus das später tun musste (Joh 2,15). Immer wieder werden wir in der Bibel auf die Heiligung oder Reinigung aufmerksam gemacht (Phil 4,8; Jak 1,27; 1Tim 5,22b).

3. Weil die Anteile für die Leviten nicht entrichtet wurden (V. 10-14). Die Folge war, dass immer mehr Leviten die Stadt Jerusalem verliessen und aufs Land zogen, um auf den Feldern zu arbeiten und so Nahrung zu beschaffen. So wurden die Dienste am Tempel immer mehr vernachlässigt. Nehemia brachte die Leviten in den Tempel zurück, setzte Leute ein, um den Zehnten einzufordern und zu verteilen usw. Auch im Neuen Testament werden Christen aufgefordert zu geben, damit die Gemeinde Gottes gesegnet werden kann (1Kor 16,2; 2Kor 9,6-7).

4. Weil der Sabbat nicht mehr eingehalten wurde (V. 15,-22). Nehemia war schockiert, als er sah, dass das Volk sogar den Sabbat entweihte. Der Sabbat bedeutete Ausruhen und dankbar an Gottes Taten denken (Gen 2,2; Ex 20,11). Das Gesetz Mose verhängt über jegliche Arbeiten am Sabbat die Todesstrafe (Ex 31,12-17). Er erinnerte das Volk daran, welche Flüche über ihre Vorfahren kamen, weil sie das Gesetz Mose nicht mehr einhielten (Ez 22,26.31). Nehemia schloss die Tore Jerusalems vor dem Sabbat, damit kein Handel mehr getrieben werden konnte. Er verjagte sogar die Händler vor den Toren. Er setzte Wächter ein über die Eingangstore.

Im Neuen Bund wird uns Christen kein Ruhetag wie der Sabbat geboten. Gott hat uns aber seit Konstantin (313 n. Chr.) mit einem Sonntag gesegnet, an dem die Meisten in der westlichen Welt frei haben, um gemeinsam anzubeten und auszuspannen. An diesem Tag ist Christus auferstanden (1Kor 15,4). An diesem Tag wurde die Gemeinde gegründet (Apg 2,1). An diesem Tag versammelten sich die ersten Christen regelmässig, um das Brot zu brechen und den Kelch zu trinken (Apg 20,7; 2,42). Dieser Tag wird in der Bibel „der Tag des Herrn“ genannt (Offb 1,10). Gottes Geist ermahnt uns, an den christlichen Versammlungen festzuhalten bis zur Wiederkunft (Hebr 10,24-25; Mt 18,20).

5. Weil sie sich wieder mit fremden Frauen einliessen (V. 23-31). Das war ein Babel der Verwirrung und eine Bedrohung der reinen Abstammung Abrahams. Ein Priester durfte nur eine reine Frau aus dem Volk heiraten (Lev 21,1-5). Viele Kinder der Juden redeten gar nicht mehr hebräisch (V. 24). Gottes Gebote gingen immer mehr verloren und Israel war nicht mehr ein auserwähltes gottgeweihtes Volk.

Nehemia war aufs Äusserste empört (V. 25). Er verfluchte sie (nicht mit Gassensprache!), indem er sie vor Gericht brachte. Er schlug die Männer, die das getan hatten und zerrte sie an den Haaren. Es wird gesagt, dass Nehemia nicht handgreiflich wurde, sondern die Männer mit Strafen schlug. Es wird gesagt, dass er ihnen die Haare schoren liess, was für Juden eine grosse Schande war. Er erinnerte sie an die Sünde Salomos (1Kön 11,1-11). Die vielen Frauen verführten ihn zum Götzendienst. Die fremdländischen Frauen waren Salomos und Israels Untergang. Er vertrieb die uneinsichtigen Priester und stellte die Ordnung wieder her.

 

SCHLUSSFOLGERUNGEN

Das ganze Buch Nehemias erscheint wie eine Reporterstattung für den Herrn, indem er immer wieder betete: „Erinnere dich meiner, mein Gott, mir zum Besten“ (5,19; 6,9; 6,14; 13,14.22.29.31). Lass meinen Namen im Buch des Lebens geschrieben stehen, für alles, was ich um dein Volk gelitten habe!

Grober Überblick:

Nehemias Trauer und Gebet (Kap. 1)

Nehemias Aufbruch nach Jerusalem (Kap. 2)

Der Wideraufbau der Stadtmauer führt zum Widerstand (Kap. 3)

Erfolgreiche Verteidigung des Mauerbaus (Kap. 4)

Nehemia wendet sich an die Oberen der Stadt (Kap. 5)

Mordpläne gegen Nehemia (Kap. 6)

Volkszählung (Kap. 7)

Vorlesung des Gesetzes und Laubhüttenfest (Kap. 8)

Nehemias Bussgebet für das Volk (Kap. 9)

Schriftliche Verpflichtung auf Gottes Gebote zu hören (Kap. 10)

Verzeichnis der Leiter (Kap. 11)

Einweihung der Mauer (Kap. 12)

Nehemia beseitigt Missstände (Kap. 13)