1. Samuel-02: Der Prophet Samuel

Gründung des Königreichs

Kapitel 5-7

 

Kapitel 5: Die Bundeslade bei den Philistern.
Die Philister nahmen die Bundeslade als Siegesbeute in ihr Land. Sie waren überzeugt, dass ihr Götze Dagon Israel geschlagen hatte (V. 1). Deshalb stellten sie die Lade des Herrn in den Götzentempel neben Dagon (V. 2). Dagon war ein typischer Götze, den die Kanaaniter anbeteten. Deshalb wollte Gott auch, dass die Israeliten alle Kanaaniter umbrachten oder vertrieben (Dtn 9,1-6). Dagon wurde auch Herr der Erstgeburt genannt und war bekannt als Gott der Fruchtbarkeit und des Korns.

Der lebendige Gott demonstriert seine Übermacht. Der Herr liess Dagon über Nacht auf sein Angesicht fallen (V. 4). Dagons Gesicht fiel wie anbetend vor die Bundeslade. In der zweiten Nacht lagen auch noch Dagons Hände und Rumpf am Boden.

Die Bundeslade wird von einer Philisterstadt zur andern weitergegeben: von Aschdod nach Aschkelon und Gat, von Gat nach Ekron. In allen fünf Städten werden die Bewohner mit Schrecken und Geschwüren geplagt. Jede Stadt wollte die Bundeslade so schnell wie möglich wieder loswerden. Denn die Hand des Herrn lag schwer auf den Bewohnern der Städte, die die Bundeslade in ihrer Mitte hatten.

 

Kapitel 6: Die Bundeslade bei den Philistern.
Sieben Monate befand sich die Lade des Herrn im Gebiet der Philister (V. 1). Die Philister wurden während dieser Zeit schwer geprüft. Der Herr schlug sie mit Geschwüren und anderen Plagen. Wer Gott nicht fürchtet, wird ernten, was er gesät hat (Gal 6,7-8).

Weil die Philister nicht wussten, was sie mit der Bundeslade Gottes anfangen sollten, wandten sie sich an ihre Priester und Wahrsager (V. 1). Offenbar gab der Herr den gottlosen Priestern und Wahrsagern die nötige Weisheit, um das Problem zu lösen. Daraus sehen wir, dass Gott sogar den Hilferuf (5,12b) von gottlosen Völkern hört und ihnen gnädig sein kann.

Die religiösen Führer präsentierten dem Volk der Philister folgende Lösung:

- Die Bundeslade soll aus dem Land geschickt werden (V. 3).

- Es soll eine Sühnegabe entrichtet werden (V. 3). Fünf goldene Geschwüre und fünf goldene Mäuse sollen nach der Anzahl der Stadtfürsten nachkonstruiert werden (V. 4). Die Philister sollen dem Gott Israels die Ehre geben (V. 5).

- Sie sollen einen neuen Wagen nehmen und zwei Mutterkühe davor spannen (V. 7).

- Sie sollen die Bundeslade auf den Wagen stellen und die goldenen Anfertigungen als Sühnemittel in die Satteltasche legen (V. 8).

- Schliesslich sollen sie die beiden Kühe auf die Strasse nach Bet-Schemesch weggetrieben werden (V. 9).

Als Zeichen, dass der lebendige Gott ihnen das grosse Unheil angetan hatte, galt (V. 9), wenn die Kühe mit dem beladenen Wagen Richtung Bet-Schemesch zogen. Wenn sie stehen blieben oder gar abbogen, dann war das Unheil bloss ein Zufall. Unter grossem Gebrüll liefen beide Kühe direkt bis Bet-Schemesch (V. 12).

Die Philister erkannten, dass die Plage vom Gott Israels kam und überlebten, weil sie eine Sühnegabe entrichteten, die ihnen ihre Priester und Wahrsager auferlegten.

Der Text von Vers 13 bis 21 ist besonders schwer verständlich und daher mit Vorsicht auszulegen. Es sind sogar textliche Varianten mit im Spiel, die noch mehr für Verwirrung sorgen. Offenbar behandelten auch die Israeliten die Lade des Herrn nicht mit der nötigen Ehrfurcht und Zurückhaltung und deshalb mussten etliche sterben. Es wird diskutiert, ob die Lade des Herrn von unautorisierten Männern gesehen, berührt oder gar geöffnet wurde (Num 4,1-20). Deshalb kamen siebzig Männer um, weil sie die Bundeslade gesehen hatten (Num 4,20). In einem hebräischen Text wird von weiteren 50 000 Mann geschrieben, die den Tod fanden, weil sie die Bundeslade unsachgemäss behandelten (Num 1,51). In einer älteren Übersetzung heisst es sogar, dass die Söhne Jechonschuas sich nicht gebührend freuten über die Bundeslade und deshalb starben (6,19).

Tatsache ist, dass Gott durch ihr Verhalten verärgert wurde und dem Volk einen schweren Schlag zufügte (V. 20). Statt einsichtig zu sein und umzudenken, beklagten sich die Israeliten bei Gott und sandten die Bundeslade weiter nach Kirjat-Jearim (V. 20-21).

Schlussfolgerungen:
Im Pentateuch steht klar beschrieben, wer sich der Bundeslade nähern darf und wie sachgemäss mit ihr umgegangen werden sollte (Es 25,10-22). Gottes Gebote müssen allezeit beachtet werden und haben ihre Konsequenzen. Wer Gott nicht fürchtet, wird ernten, was er gesät hat (Gal 6,7-8). Trotz allem können wir Gottes Gnade darin erkennen, dass der Herr seine Macht demonstrierte und die Bundeslade wieder ins Lager der Israeliten zurückbrachte.

 

Kapitel 7: Israels Sieg über die Philister.
Samuels Geburt war ca. 1120 oder 1100 v. Chr. und mit diesem Kapitel befinden wir uns etwa in der Zeit 1085 v. Chr. Samuel war Priester und Richter über Israel (3,20; 7,6.15-17) und nahm im ganzen ersten Buch Samuel eine zentrale Rolle ein. Die Lade des Herrn blieb zwanzig Jahre in Kirjat-Jearim bei Eleasar (vermutlich ein Levit).

Übersetzungsdifferenzen: In der Zürcher Bibel heisst es, dass das ganze Haus Israel zum Herrn hielt (V. 2b). In der NGÜ heisst es: „Das ganze Volk Israel trauerte darüber, dass der Herr sich wegen ihrer Schuld von ihnen abgewandt hatte.”

Samuel reformiert das Volk Gottes.
Er ruft das Volk zur Abkehr vom Götzendienst auf (V. 3). Er ordnet an, die fremden Götter, die Astarten und Baale, zu entfernen (V. 3).

Astarte: Göttin der Fruchtbarkeit, Liebe und des Krieges.

Baal: Kanaanitische Gottheit der Fruchtbarkeit und des Regens.

Er ruft das Volk auf, allein dem Herrn zu dienen (V. 4). Er versammelt das Volk in Mizpa, wo es fastet und seine Sünde vor dem Herrn bekennt (V. 5-6). Israel wurde schon mehrmals ermahnt und zur Umkehr aufgerufen (Dtn 6,4-19; Jos 24,14; Ri 10,6-16). Sie wussten ganz genau, was Gott ihnen mit dem Segen oder Fluch sagen wollte (Lev 26; Dtn 28).

Das Volk Israel ist endlich soweit, dass es keine andere Wahl sieht, als auf Gott zu vertrauen. Niemand fordert oder erwartet Gottes Hilfe, wie das in der früheren Schlacht gegen die Philister war, als sie die Bundeslade ins Kriegslager holten (4,3). Alle waren besorgt und hofften auf die Befreiung von ihren Feinden, den Philistern.

Das Volk bat Samuel inständig für sie zum Herrn zu beten (V. 8). Samuel nahm ein Lamm und opferte dem Herrn ein Brandopfer (V. 9). Anschliessend schrie Samuel für Israel zum Herrn (V. 9). Der Herr erhörte die Hilferufe und antwortete Samuel (V. 9). Anschliessend liess der Herr es so laut donnern, dass die Angreifer in Panik gerieten (V. 10). Die Krieger Israels verfolgten die Philister und eroberten ihr Gebiet zurück (V. 11). Samuel setzte einen Stein der Hilfe (Eben-Eser), was bedeutet, dass Gott ihnen bis hierher geholfen hat (V. 12).

Solange Samuel lebte, hatten die Israeliten die Oberhand über die Philister (V. 13). Der Herr besiegte die Philister und gab ihnen die Städte zurück, die sie in der letzten Schlacht verloren hatten (V. 14). Als die Amoriter das sahen, schlossen sie Frieden mit Israel (V. 14).

Samuel war Richter in Israel und besuchte die Heiligtümer in Bet-El, Gilgal und Mizpa (V. 15-16). Er reiste im Gebiet Benjamin und Ephraim umher. Er schlichtete Streitfälle, übermittelte Gottes Willen, überführte Sünder (7,3-6). Der Herr offenbarte sich Samuel (3,21). In Rama baute Samuel dem Herrn einen Altar (V. 17). Später traf er dort das erste Mal auf Saul (9,5-10). Dort traf und besprach er sich auch mit den Ältesten Israels über einen König (8,4).

Schlussfolgerungen:
Das Gebet Samuels ist ein wesentlicher Bestandteil der veränderten Situation Israels. Nebst dem Gebet geht es auch um Umkehr vom gottlosen Wandel und von der Hinwendung zum Herrn. Gott kann auch uns nur dann helfen, wenn wir ihm dienen und uns ihm ganz hingeben. Dazu gehört auch, dass wir trauern um begangene Sünden (Jer 8,18). Anschliessend geht es um ein verändertes Denken, ein Umdenken (Mt 3,2). Nur echte Betrübnis führt auch zur Umkehr (2Kor 7,8-11).