1. Samuel-04: Der neue König Saul

Gründung des Königreichs

Kapitel 13-15

 

 

Kapitel 13: Die Herrschaft Sauls.
Vers 1 fehlt in unserer Zürcherbibel (siehe Fussnoten).

Die Schlachterbibel enthält Vers 1 (wie die KJV): „Saul war ein Jahr König gewesen, und nachdem er zwei Jahre über Israel regiert hatte, da erwählte sich ...“

Die Elberfelderbibel enthält Vers 1 (wie NASB): „Saul war ...[thirty] Jahre alt, als er König wurde; und er regierte zwei Jahre über Israel.“

Sauls erste Sünde und erste Verwerfung (13,13-14). Weil Saul nicht geduldig warten kann auf Samuel, bringt er selbst die Brandopfer dar. Samuel fragt Saul vorwurfsvoll: „Was hast du getan?“ (V. 11) (Gen 3,13; 4,10; 12,18; 20,10, 29,25; Jer 8,6). Uneinsichtig versucht Saul sich zu rechtfertigen mit fünf Argumenten:

-Das Volk (= die Soldaten) verliess mich.

-Du bist nicht zur rechten Zeit gekommen.

-Die Philister bedrängten uns.

-Ich wollte dem Herrn zuerst ein Opfer darbringen. (Hier versucht er zu erklären, dass ihn sein tiefer Glaube zu diesem Ungehorsam verleitet habe).

-Schliesslich habe ich mich durchgerungen und selbst die Brandopfer dargebracht. Saul wird als König das erste Mal verworfen (V. 13-14).

Die Philister besassen die politische Macht im Lande. Damit die Israeliten keine Waffen herstellen konnten, war es ihnen verboten einen Schmied zu haben. Sie mussten für alles eiserne Handwerk zu den Philistern ins Tal hinuntergehen (V. 19-22).

 

Kapitel 14: Jonatans Heldentat, Sieg über die Philister.
Jonathan, der Sohn Sauls greift in eigener Regie einen Wachposten der Philister an und tötet zwanzig Mann. Dieser Sieg ist auf seinen tiefen Glauben zum Herrn zurückzuführen (V. 10). Gott bestätigt Jonathans Sieg mit einem Erdbeben, so dass ein grosser „Gottesschrecken“ entstand unter den Philistern (V. 15).

Schon wieder fällt Saul eine hastige Entscheidung, ohne Gott vorher zu befragen! Saul auferlegt ein schweres Enthaltungsgebot (V. 24). Dies führte dazu, dass die Soldaten schwach wurden und nicht mehr fähig waren, die Philister ganz zu besiegen (V. 30). Am Abend waren die Krieger so hungrig dass sie die Rinder und Kälber auf der blossen Erde schlachteten und ihr Fleisch samt dem Blut assen. Dies war eine schwere Sünde (Gen 9,3-4; Lev 7,26; 17,10-12; Dtn 12,15-16). Saul ruft die Krieger zu sich und errichtet dem Herrn seinen ersten Altar (V. 35).

Eine weitere schwere Folge von diesem hastigen Enthaltungsgebot war, dass es fast das Leben seines Sohnes kostete. Sein Sohn Jonathan wusste nichts von dem Gebot und brach es, indem er auf dem Weg Honigwaben ass. Trotz seiner Unschuld wurden seine Augen hell. Saul will nicht warten und seine Soldaten ruhen lassen, sondern er will noch in derselben Nacht die Philister angreifen. Doch die Priester raten ihm zuerst den Herrn zu befragen. Doch Gott gibt keine Antwort. Saul befragt den Herrn durch Urim und Thummim (= Lichter der Vollkommenheit, die Edelsteine, die sich in der Brusttasche des Hohenpriesters befinden, Ex 28,16; Lev 8,8).

Schliesslich erhält Saul die Antwort, weshalb Gott nicht geantwortet hat. Jonathan ist bereit zu sterben (V. 43). Auch Saul bestätigt, dass Jonathan sterben müsse (V. 44). Doch das Kriegsvolk setzt sich im Namen Gottes ein für Jonathan. Gott war mit Jonathan, deshalb haben die Israeliten auch den Sieg über die Philister errungen, somit kann es nicht Gottes Wille sein, ihn jetzt zu töten (V. 45). Es ist Sauls Vergehen, nicht Jonathans! Saul lässt ab von seinem Vorhaben.

 

Kapitel 15: Saul wird von Gott verworfen.1. Der Priester Samuel gibt dem König Saul einen Auftrag von Gott.
Das Volk Israel hatte noch eine Rechnung offen mit Amalek, die sogar im Gesetz des Mose geschrieben stand: Dtn 25,17-19 (Ex 17,8-16; Num 24,20). Steht dies nicht im Widerspruch zum Wesen Gottes, der in den zehn Geboten gebietet (Ex 20,13): „Du sollst nicht töten“? Nein! Dieses Gebot ist den Menschen gegeben, damit niemand das Recht hat, Selbstjustiz auszuüben und den andern zu töten. Gott aber ist der gerechte Richter, der entscheidet, wann und wo jemand gerichtet wird. Gott lässt uns in seinem Wort nirgends mitteilen, dass er nur einmal Gericht ausüben wird. Der Herr richtet die Gottlosen manchmal sofort, manchmal durch sein Volk usw. Am Ende der Welt aber wird der allmächtige Gott das endgültige und grosse Gericht ein letztes Mal ausüben an allen, die seinem Willen nicht gehorsam sind: 2Thess 1,7-9; Offb 16,7.

Saul hatte den Auftrag, Gottes vorzeitiges Gericht an den Amalekitern zu vollziehen, d. h. alles Volk und alle Tiere zu töten (V. 3). Weil er dem Herrn nicht gehorsam war, musste später David etliche Male gegen dieses Volk in den Krieg ziehen (1Sam 27,8; 30,1-20; 2Sam 1,1-16; 8,12). Gleichzeitig kostete ihm das sein Königtum, weil er das Beste verschont hatte (V. 9). Statt Einsicht zu zeigen für seine Sünde, rechtfertigte er sich mit faulen Ausreden. Der Prophet Samuel erklärt ihm: 1Sam 15,22-26. Dies ist zu einem wichtigen Prinzip Gottes für die Menschheit geworden. Gott ist nicht mit jedem Opfer zufrieden zu stellen!

Wichtig ist, dass wir das ganze Leben Sauls betrachten und erkennen, dass er nicht wegen eines einmaligen Vergehens von Gott abgelehnt wurde! Saul tat dem Samuel fast Gewalt an, indem er ihn am Rockzipfel solange festhielt bis er abriss. Samuel machte daraus eine weitere Lektion, indem er Saul erneut bestätigte, dass sein Königtum so abgerissen werde, wir er ihm seinen Rockzipfel abriss. Schliesslich geht Samuel hin und tötet den König von Amalek.