Was will Jesus-01: Entstehung der Bibel

Was will Jesus von mir?

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Es ist nicht möglich, mit letzter Genauigkeit alle Umstände der Entstehung der Bibel aufzuspüren. Wir können nicht auf eine einzige bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort verweisen und behaupten: hier wurde die Bibel geboren. Schon wenn wir uns das Inhaltsverzeichnis einer Bibel ansehen, merken wir sofort, dass es sich bei der heiligen Schrift nicht nur um ein einzelnes Buch, sondern um die Ansammlung einer bestimmten Anzahl von verschiedenen Büchern handelt, sozusagen um eine kleine Bibliothek.

Ebenso wie im Verlauf der Geschichte literarische Werke in ihren verschiedensten Formen entstanden sind, so ist es auch mit der Bibel: sie entstand als eine Sammlung über einen Zeitraum von annähernd 1600 Jahren und ihre Bücher, jedes für sich, aus verschiedenstem Anlass und unter verschiedensten Umständen sowie in unterschiedlichster sprachlicher Gestalt. Doch alle, und das zeigt bereits die Einzigartigkeit dieser Sammlung, handeln von nur einem einzigen grossen und in sich zusammenhängenden Thema: Gott, der Schöpfer, und wir, seine durch die Sünde verlorenen Geschöpfe, und Gottes aus Liebe zu uns gefasster Plan, uns durch Jesus Christus zu erretten!

So ist die Bibel eine Sammlung von Büchern - eine Tatsache, die immer angedeutet wird, wenn wir den Begriff Bibel verwenden. Das Wort selbst ist abgeleitet von dem lateinischen biblia, d.h. Bücher. Aber wie bereits gesagt: die Bibel ist viel mehr als eine gewöhnliche Sammlung oder Bibliothek. Sie ist eine Schatzkammer heiliger Bücher, die durch viele Jahrhunderte anwuchs, bis sie schliesslich ihren jetzigen Umfang erreichte. Es ist daher eine unumstössliche Überzeugung der Christen, dass die Bibel heute deshalb so geschätzt wird, weil sie ursprünglich unter dem einmaligen und einzigartigen leitenden Einfluss des Schöpfers aller Dinge, Gott selbst, entstanden ist.

Die Form unserer Bibel heute

Die Bibel heute wird in zwei Hauptteile eingeteilt, die als Altes und Neues Testament oder als Schriften des Alten bzw. Neuen Bundes bekannt sind. Die Grundstruktur der Bibel beruht auf der Erkenntnis, dass Gott zwei bedeutsame Bündnisse mit seinem Volk schloss und dass der neue Bund eine Erfüllung des Alten ist (Matthäus 5,17). Ursprünglich wurden die Schriften der Bibel in drei Sprachen verfasst: Das Alte Testament in Hebräisch und einem kleinen Teil in Aramäisch, das Neue Testament in Griechisch. In unseren heutigen Bibelübersetzungen finden wir für das Alte Testament eine von der hebräischen Sammlung unterschiedliche Einteilung. Vergleichen Sie dazu das Inhaltsverzeichnis einer geläufigen Bibelübersetzung mit dem folgenden Abschnitt.

Einteilung und Bezeichnung der biblischen Bücher

DIE SCHRIFTEN DES ALTEN BUNDES:
Die Schriften des Alten Bundes wurden von ihren hebräischen Empfängern in drei grossen Abteilungen gesammelt.

1. Das Gesetz. Diese ersten fünf Bücher des Alten Testaments sind auch bekannt als die fünf Bücher Mose. Obwohl Mose einen grossen Teil davon persönlich verfasst hat, gehören zu ihrem Inhalt auch viele Berichte von Ereignissen, die weit in die Zeit vor Mose zurückgehen. Auch ist der Bericht über seinen Tod (5. Mose 34) sicher erst später, wohl von Josua, hinzugefügt worden. Diese Bücher werden besonders deswegen nach Mose benannt, weil sie von Moses grossen Taten berichten, die er unter dem Volk Israel als Mittler des Gottesbundes und des Gesetzes sowie als Befreier und als erster grosser Führer vollbrachte. Die in manchen Bibeln üblichen lateinischen Bezeichnungen für die fünf Bücher Mose beziehen sich mehr auf deren Inhalt. Sie werden im folgenden (mit der deutschen Bedeutung in Klammern) genannt: Das Buch Genesis (Buch der Anfänge / Ursprünge, bzw. Generationen / Abstammungen); das Buch Exodus (Buch vom Auszug- nämlich der Israeliten aus ägyptischer Sklaverei); das Buch Levitikus (das Buch der Priestervorschriften, Opferungen, Priestertum, Reinigung, Festen, usw.); das Buch Numeri (das Buch mit dem Bericht der Zählungen des Volkes zu Anfang und gegen Ende der Wüsten¬wanderung), und das Buch Deuteronomium (das Buch der Wiederholung / Ergänzung des Gesetzes und dem erneuerten / bekräftigten Bundesbeschluss).

2. Die Propheten. Diese Sammlung von ursprünglich neunzehn, später zu acht zusammengefassten, in Hebräisch geschriebenen Büchern, beinhaltet allgemein geschichtliches Material sowie die Botschaften von Israels frühen Propheten und Führern: die Bücher Josua, Richter, Samuel und Könige (die beiden letztgenannten jeweils als 1 Buch), wie auch die Schriften der späteren Propheten (den sogenannten Grossen und Kleinen Propheten- die Bezeichnung bezieht sich hauptsächlich auf den grösseren bzw. kleineren Umfang ihrer Bücher): Jesaja, Jeremia, Hesekiel und das Zwölfprophetenbuch (Inhalt: Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zefanja, Haggai, Sacharja und Maleachi).

3. Die Schriften. Diese acht Bücher sind in folgende drei Gruppen eingeteilt:
A. Die Bücher der Psalmen, Hiob und die Sprüche; sie wurden als Andachtsbücher in der Anbetung der Synagoge benutzt.
B. Das Fünfrollenbuch mit dem Hohelied Salomos, der Ruth, der Klagelieder Jeremias, dem Kohelet = Prediger (von Salomo) und dem Buch der Esther. Dieses Fünfrollenbuch wurde zur Belehrung und an Festtagen vorgelesen.
C. Die Bücher Daniel, Esra, Nehemia und Chronik bilden ein einziges Buch. Sie wurden als Ergänzung der anderen geschichtlichen Bücher angesehen.

DIE SCHRIFTEN DES NEUEN BUNDES:
Wie die Schriften des Alten Bundes können auch die des Neuen Bundes in drei grosse Gruppierungen eingeteilt werden.

1. Geschichte. Als die fünf Geschichtsbücher des Neuen Bundes werden die Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, sowie die Apostelgeschichte angesehen. In den Evangelien wird unser Blick auf die grossen Lehren und das einzigartige Leben und Wirken unseres Herrn Jesus Christus gerichtet. Die Apostelgeschichte, oft auch die Fortsetzung des Lukasevangeliums genannt, bietet uns einen geordneten und verlässlichen geschichtlichen Bericht von der Entstehung und Wachstum der Gemeinde Christi.

2. Lehre. Die einundzwanzig Lehrbücher sind Briefe, die von mehreren durch den heiligen Geist geleiteten Schreibern verfasst wurden:
A. Die dreizehn Briefe des Apostels Paulus enthalten, den Brief an die Römer, den 1. & 2. Korintherbrief, den Galater- Epheser- Philipper- und Kolosserbrief, den 1. & 2. Thessalonicherbrief, den 1. & 2. Brief an Timotheus, den Titusbrief und den Brief an Philemon. Manchmal wird auch der Hebräerbrief zu den Paulusbriefen gezählt, obwohl sein Verfasser unbekannt ist.
B. Als Allgemeine Briefe gelten nebst dem Hebräerbrief auch der Brief des Jakobus, die beiden Petrusbriefe, die drei Johannesbriefe und der Brief des Judas. Sie werden deshalb als Allgemeine Briefe bezeichnet, weil im Gegensatz zu den Paulusbriefen die Empfänger dieser Briefe nicht näher bezeichnet werden, sondern nur allgemein angesprochen sind (vergleiche die einleitenden Worte dieser Briefe mit denjenigen des Paulus).

3. Prophetie. Das Buch der Offenbarung oder die Apokalypse, bildet den Abschluss der Bibel und fasst in symbolischer Sprache die Prinzipien der vorausgehenden Schriften zusammen. Sie bietet gleichzeitig einen prophetischen Vorgeschmack der Dinge, die noch kommen sollen.

Der Kanon der Bibel

Natürlich wurden während der Zeit der Entstehung der biblischen Bücher des Alten und Neuen Bundes viele andere religiöse Schriften verfasst. Welche Bücher gehören denn rechtmässig zur heiligen Schrift, welche nicht? Nach welchem Massstab werden die einen dazugezählt, die anderen verworfen? Die Antwort auf diese Fragen finden wir durch das Studium des sogenannten „Kanons“ der heiligen Schrift. (Kanon = Der verbindliche Massstab für die Zugehörigkeit der einzelnen biblischen Bücher zur heiligen Schrift).

Das Wort geht zurück auf das griechische ‚kanon‘, und dann auf das hebräische ‚qaneh‘. Seine Grundbedeutung ist „(ein Stück) Schilfrohr.“ Da man das Schilfrohr oft als Messstab benutzte, erhielt das Wort Kanon schliesslich die Bedeutung von „Mass, Standard.“ Auf die Bibel übertragen bezeichnet es die Liste der Bücher, die als Heilige Schrift akzeptiert werden, sozusagen den ganzen Umfang der Bibel.

Die Entstehung des Kanons war ein längerer Prozess, im gleichen Mass, wie die einzelnen Bücher selbst entstanden. Zur Zeit Jesu war der Kanon des Alten Testaments fest umrissen: es gibt einen klaren Unterschied zwischen „Schrift“ (= ‚Heiliger Schrift‘) und „nicht-anerkannte Schriften.“ Hinweise auf diese festgelegten Bücher der alttestamentlichen „Schrift“ gehen aus zahlreichen Zitaten der frühen christlichen und nicht-christlichen Literatur hervor (siehe z. B. Lukas 24,44). Im Hinblick auf die Schriften des Neuen Testaments kann gesagt werden, dass sie bereits unmittelbar nach ihrer Entstehung in den Gemeindeversammlungen regelmässig vorgelesen wurden (siehe z. B. Kolosser 4,16; 1. Thessalonicher 5,27).

Es ist auch wichtig darauf hinzuweisen, dass nicht etwa eine Kirche durch Beschluss eines ihrer Konzile die heilige Schrift ‚gemacht‘ oder bestimmt hat. Keine Kirche kann durch ihre Beschlüsse den Büchern der Bibel Autorität und Unfehlbarkeit zusprechen. Die Bibel verdankt ihre göttliche Autorität weder einer Person noch einer Kirchengruppe, sondern allein Gott selbst. Keine Kirche bestimmt den Kanon, sondern der Kanon sollte die Kirche bestimmen! Wie ein Kind die eigene Mutter an ihren besonderen Merkmalen erkennt, so hat die erste Gemeinde die Bibelbücher als heilige Schriften erkannt und ihnen göttliche Inspiration beigemessen.

Die Sprachen der Bibel

Wir haben bereits die drei Sprachen erwähnt, in denen die Bücher der Bibel ursprünglich verfasst wurden; wir möchten nochmals darauf eingehen.
Die Bibel wurde ursprünglich in drei Sprachen geschrieben: Hebräisch, Aramäisch und Griechisch. Obwohl vom Alten Testament ein Teil in Aramäisch zu uns kommt, dominiert dort das Hebräische. Beim Neuen Testament war es eine besondere Führung Gottes - da die Gute Nachricht von Jesus Christus in der ganzen Welt verkündet werden sollte -, dass die Verfasser dabei eine Sprache benutzten, die überall bekannt war. Im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung war Griechisch weltweit die führende Verkehrssprache, und das erklärt, warum das Neue Testament in Griechisch geschrieben wurde.

„Meine Worte werden nicht vergehen“

Wenn wir die Geschichte der Bibel im Verlauf der Jahrhunderte auf diese Weise verfolgen, zeigen wir damit jedoch nur die menschliche Seite ihrer Entstehung auf. Von einem anderen Standpunkt aus betrachtet, beginnt und endet diese Geschichte jedoch mit Gott. Gott ist Licht, der Ursprung des Lichts, sowohl physikalisch als auch geistlich. Deshalb führt uns die Frage, wie die Bibel zu uns kam, letztlich hin zum Thron Gottes.

Jesus sagte: „Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen“ (Markus 13,31). Diesen Anspruch, den Jesus erhebt, dass seine Worte göttlich sind, erhebt die Bibel für sich als Ganzes. Der Apostel Paulus schrieb (2. Timotheus 3,16-17): „Alle Schrift, von Gott eingegeben ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.“ Der Begriff ‚Schrift‘ wird hier in einem besonderen Sinn gebraucht, er umfasst die kanonischen Schriften des Alten Testaments. Paulus war überzeugt, dass die Schriften des Alten Bundes von Gott herkamen, wörtlich: von Gott „eingehaucht“ wurden!

Ähnlich formuliert es ein anderer Apostel Jesu: „Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen. Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist. Denn es ist noch nie eine [solche] Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben von dem heiligen Geist haben Menschen im Namen Gottes geredet“ (2. Petrus 1,19-21). Die Verfasser der Schriften des Alten Bundes, sagt Petrus, haben die Botschaft ihrer Schreiben nicht erfunden oder selbst erdacht. Was jeder von ihnen schrieb, erhielten sie durch die Eingebung des heiligen Geistes, der ihnen von Gott her gesandt war. Sie verkündigten also alles von Gott her, wie der heilige Geist sie anleitete. Diese erwähnten Stellen bezeugen klar, dass das Alte Testament göttlichen Ursprungs ist.

Wie die alttestamentlichen Propheten von Gott inspiriert wurden, so auch die Apostel und Propheten des neuen Bundes! Zudem waren die Verfasser der einzelnen Bibelbücher ehrliche als auch geistig gesunde Menschen. Wenn sie auch „... ungelehrte, und einfache Leute waren“ (Apostelgeschichte 4,13), so waren sie dennoch vernünftig und hatten ein klares Urteilsvermögen. Sie konnten also nicht irgendwelchen fanatischen Visionen und Halluzinationen zum Opfer fallen, noch beabsichtigten sie ihre Zuhörer absichtlich zu täuschen und zu betrügen.

Vieles der Einzigartigkeit der Bibel beruht auf ihren einzigartigen Ansprüchen. Wenn wir die Bibel für sich selbst sprechen lassen, so erhebt sie den Anspruch, von Gott zu sein. Dieser Anspruch kommt von ehrlichen, klardenkenden Menschen und verdient unsere Beachtung. Der Anspruch macht das Beanspruchte nicht automatisch wahr, aber der Inhalt der Bibel, mit ihrem grossen Thema der Erlösung, und ihrer hervorragenden moralischen Substanz, untermauert diesen Anspruch. So sind z. B. die ethischen Prinzipien Jesu entweder menschlich oder göttlich. Die Bibel sagt, sie sind von Gott, ein Anspruch, der keineswegs unsinnig erscheint angesichts ihres hohen moralischen Standards. Der Anspruch der heiligen Schrift und ihr Inhalt ergeben gemeinsam einen überzeugenden Aufruf, dass wir die Bibel als das inspirierte Wort Gottes ansehen und es auch unter dieser Voraussetzung studieren sollten.

Es ist ein tröstender und zugleich auch ein beruhigender Gedanke, dass die Worte Jesu durch alle Zeitalter hindurch bewahrt werden. Es ist das Versprechen Jesu, das für alle Zeiten gültig ist und von keiner Macht aufgelöst werden kann: „Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen“ (Matthäus 24,35).
Diese Verheissung Jesu wurde bereits Jahrhunderte auf die Probe gestellt, konnte jedoch nicht zu Nichte gemacht werden. Auch der Apostel Petrus bezeugt, inspiriert durch den heiligen Geist (1. Petrus 1,24): „Das Gras ist verdorrt und die Blume abgefallen, aber des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit.“

 

 Link:

2. Leben ohne Christus