Rückkehr aus dem Exil und Tempelbau
Teil 1b
KAPITEL 5: WIEDERAUFNAHME DES TEMPELBAUS
Vers 1: Haggai und Sacharja motivieren zum Weiterbau des Tempels (520 v. Chr.).
Der Prophet Haggai ruft zum Wiederaufbau des Tempels auf. Das Volk fürchtete sich vor den Gegnern und liess sich zu sehr abschrecken vom Weiterbau (Esr 4,4). Sie behaupteten, die Zeit sei noch nicht gekommen, um den Tempel wieder aufzubauen (1,2). Als Folge ihrer Nachlässigkeit, liess der Herr ihr Land unfruchtbar. Haggai klagt das Volk drei Wochen lang an und ruft auf zum Weiterbau. Das Volk fürchtet den Herrn und hört auf den Propheten Haggai (1,12). Solange Ehrfurcht vor dem Herrn da ist, kann ein Mensch noch ermahnt werden (Koh 12,13). Das Volk wusste, dass es nicht Haggai, sondern Gott und seinem Wort gehorchte.
Auch wir werden aufgerufen, uns nicht vor den Menschen zu fürchten, sondern allein vor Gott (Lk 12,4-5; 1Joh 4,18; Apg 5,29). Gott hat das Volk gestraft, in der Hoffnung, dass es sich dadurch vermehrt an den Herrn wendet (Hag 2,17). Leiden haben etwas positives, weil sie das Schreien nach Gott bewirken. Gott setzte immer wieder Leiden ein, um sein Volk zur Besinnung zu führen.
Haggai ruft Gottes Volk zur Umkehr und zum Gehorsam auf, am Tempel weiterzubauen (Hag 1,7-11). Es gelingt ihm, innerhalb von 24 Tagen, das Volk zur Wiederaufnahme der Arbeiten am Tempel zu motivieren (Hag 1,1.15). Trotz allen Mahnworten verspricht der Herr dem Volk Herrlichkeit (2,9) und schenkt eine grosse Verheissung durch Serubbabel (2,20).
Der Prophet Sacharja ruft zum Wiederaufbau des Tempels auf (siehe Notizen über die kleinen Propheten: Sacharja). Der Prophet benützt eine andere Methode als Haggai und motiviert das Volk mehr mit ermutigenden Worten (Sach 1,16-17). Die Feinde des Volkes Gottes werden gerichtet. Jerusalem wird wieder aufgebaut und geht einer herrlichen Zukunft entgegen. Zuvor müssen aber Priestertum und Königtum geläutert werden. Aufteilung des Buchs:
Die acht Visionen (Kap. 1-8).
Der Herrschaftsanspruch Gottes auf die Nachbarvölker (Kap. 9-11).
Der Sieg Gottes über die Völker (Kap. 12-14). Sacharja enthält nebst Jesaja am meisten Prophezeiungen auf Jesus. Eine wichtige Lehre ist, dass jeder, der zu Gott zurückkehren will, sich zuerst heiligen lassen muss.
Welche Unterschiede erkennen wir in den Vorgangsarten dieser Propheten? Diese beiden Propheten zeigen, dass Gott verschiedene Methoden benützt, um die Herzen der Menschen zu bewegen. Der Herr lässt durch den einen Prediger Worte des drohenden Gerichts und der Umkehr verkündigen. Durch einen weiteren Prediger motiviert der Herr seine Zuhörer durch Erbarmen und Mitgefühl.
Vers 2: Serubbabel und Jeschua machen sich an die Arbeit.
Scheschbazzar, von Kyros zum Statthalter eingesetzt wurde, empfing die Tempelgeräte (1,8-11; 5,14-15) und legte die Fundamente des Tempels (5,16). Jeschua der Priester, Sohn des Jozadak (3,2) ist nicht mit Josua, dem Sohn Nuns zu vergleichen, aber trotzdem ein angesehener Diener Gottes.
Verse 3-17: Opposition durch Tattenai und Schetar-Bosnai, die Behörden des Landes.
Sie versuchen Gottes Volk einzuschüchtern, indem sie sich nach den Verantwortlichen erkundigen. In einem Brief an König Darius erwähnen sie, dass sie sich nach den Namen der Leiter erkundigt haben, um sie später zur Verantwortung ziehen zu können (5,10). Diesmal lassen die Juden sich nicht mehr einschüchtern, sondern gehen mit den Staatsmännern weise und sachlich um (5,11-17). Sie bekennen sich als die Diener des höchsten Gottes (V. 11). Sie erklären, was der Grund ihrer erneuten Sklavschaft war (V. 12). Sie erklären, dass Kyros ihnen den Befehl zum Wiederaufbau gegeben hat (V. 13). Sie wollen zuerst einen Baustopp als Befehl vom obersten König, Darius, erhalten (5,5). In dem Sinn waren „Gottes Augen“ mit ihnen (5,5).
Die Gegner bitten den König Darius um eine Nachforschung, ob die Sache mit Kyros tatsächlich wahr sei (5,17). Kyros regierte 559/539 - 530 v. Chr. (2Chr 36,22-33; Esr 1,1-4). Darius I regierte 521-486 v. Chr. (Esr 5 & 6). Wo Angst und Zweifel herrschte, da ist Glaube und Zuversicht eingetreten, so dass der Versuch der Gegner misslingt.
Lektion: Genauso sollen wir mit unseren Behörden umgehen, wenn es um die Arbeit der Gemeinde des Herrn geht. Wir lassen uns nicht einschüchtern, denn wir sind Diener des höchsten Gottes! Gott ist mit uns und wir haben den Auftrag, die Gemeinde des Herrn zu bauen, indem wir das Evangelium allen Menschen verkündigen.
Welches ist die grösste Lektion dieses Kapitels?
Ohne Gottes Beistand („Gottes Augen“) kann gar nichts erreicht werden (Phil 4,13)! Um seine Ziele zu erreichen, arbeitet Gott mit uns Menschen:
Im AT arbeitete Gott - durch die beiden Propheten Haggai und Sacharja, durch die übrigen Juden, die am Tempel bauten, durch Kyros, dem König von Persien.
Wenn wir uns für den Herrn heiligen lassen und uns IHM hingeben, dann vermag er heute noch durch uns zu arbeiten. Niemand vermag Gottes Absichten und Pläne zu stoppen, wenn der Herr ein bestimmtes Ziel im Auge hat. Wer sich vor den Menschen fürchtet, der wird nie für Gott Zeugnis geben und andern vom befreienden Evangelium erzählen.
KAPITEL 6: VOLLENDUNG DES TEMPELBAUS
Verse 1-12: König Darius gibt grünes Licht zum Weiterbau.
Der König Darius lässt nach einem Dokument forschen, das den Befehl zur Rückkehr der Juden und zum Wiederaufbau des Tempels durch Kyros bestätigt. Tatsächlich wird eine Schriftrolle gefunden, die das alles bestätigt. In Folge dessen ordnet der König in einem Schreiben an, dass die Juden am Wiederaufbau nicht mehr gehindert werden dürfen. Der Höhepunkt aber ist, dass Persien diesen Wiederaufbau kräftig mitfinanziert.
Was erhalten die Juden aus den persischen Steuern?
Geld, um das Material zu bezahlen (V. 8).
Tiere, um Brandopfer darzubringen (V. 9a).
Weizen, Salz, Öl (V. 9b).
Schliesslich droht der König allen, die das Bauvorhaben in irgendeiner Weise behindern oder gar stoppen, mit der Zerstörung ihres Hauses (V. 11). Den Samaritern blieb nichts anderes übrig, als sich dem Befehl des persischen Königs zu beugen.
Verse 13-22: Der Tempel wird vollendet und eingeweiht.
Es ist offensichtlich, dass die Propheten Haggai und Sacharja am Weiterbau des Tempels grossen Einfluss hatten (V. 14a). Ihr Erfolg ist interessant, denn in den meisten Fällen schlagen die Propheten im AT fehl, wenn sie Gottes Volk zu überzeugen versuchen (besonders Jeremia, Amos und Micha). Haggai und Sacharja aber waren unter den wenigen alttestamentlichen Propheten, die in ihrer Arbeit Erfolg hatten.
Auf Grund wessen Befehls vollendeten die Juden den Tempelbau (V. 14b)? Nach dem Befehl des Gottes Israel. Der Herr braucht menschliche Regierungen, um seine Ziele zu erreichen (Röm 13,1). Königreiche entstehen und fallen nicht ohne Gottes Zustimmung. Nach dem Befehl des Kyros. Er erlaubte den Juden 538 v. Chr. zurückzukehren (Esr 1,1). Er sprach über Gott respektvoll (Esr 1,2). Er gab die Tempelgeräte zurück (Esr 1,7).
Nach dem Befehl des Darius.
Auch er sprach über Gott respektvoll (6,10). Er behandelte auch die Juden gerecht, indem er nicht voreilig richtete, nachdem er den provokativen Brief empfing, sondern zuerst alles genau überprüfen liess (Esr. 6,1). Er ging sogar noch weiter als Kyros und unterstützte die Juden mit allem was sie brauchten für den Wiederaufbau und die Gottesdienste (Esr. 6,8-10).
Nach dem Befehl des Artaxerxes (Longimanus).
Er regierte über Persien 465-424 v. Chr. als die Mauern Jerusalems unter Nehemia wieder aufgebaut wurden. Er befahl den Baustopp für Jerusalem (Esr 4,11-22). Esra geht hier über den Zeitrahmen hinaus, an dem der Wiederaufbau stattfand, da das Buch ungefähr 450 v. Chr. abgefasst wurde.
515 v. Chr. wird der Tempelbau vollendet und eingeweiht.
Es war im sechsten Regierungsjahr des Darius (521-486 v. Chr.). Es war im Monat Adar (der zwölfte Monat, kurz vor dem Purimfest). Zur Einweihung des Tempels wird dem Herrn voller Freuden geopfert. Es war in keiner Weise ein Fest, das rein traditionell gefeiert wurde, sondern es war für die ca. 50.000 heimgekehrten Juden ein Fest des Sieges. Als Salomo (960 v. Chr.) den ersten Tempel einweihte (1Kön 8,62-66), da wurden 22.000 Rinder und 120.000 Schafe geschlachtet, zudem dauerte das ganze Fest 14 Tage (2x7 Tage).
Ungefähr 450 Jahre später wird ein wiederhergestellter Tempel eingeweiht,
- mit 100 Stieren,
- mit 200 Widdern,
- mit 400 Lämmern,
- mit zwölf Ziegenböcken.
Deshalb erklärte Sacharja, den Tag der schmalen Dinge nicht zu verachten (Sach 4,10): 2Kor 8,12.
169 v. Chr. verwüstete der griechische Herrscher, Antiochus Epiphanes den Tempel erneut (1Makk 1).
167 v. Chr. führte Judas, der Makkabäer, einen erfolgreichen Aufstand gegen die neue Besetzermacht (1Makk 2). Anschliessend weihte er mit seinen Mitstreitern den Tempel erneut ein, am 25. Tag des Monats Chislev (1Makk 4,52-59). An diesem Tempelweihungsfest erzählte Jesus seine berühmte Lektion vom guten Hirten und den Schafen (Joh 10,22).
Für den Dienst an Gott werden Priester und Leviten bestellt.
Die Priester erhielten kein Land als Erbteil, sondern wurden von den 12 Stämmen durch den Zehnten und andere Abgaben unterstützt (Num 3,6-13; 8,14-22). Aaron und seine Söhne wurden auserwählt für den Priesterdienst (Ex 28,1; 29,9). König David unterteilte die Priester in 24 Abteilungen (1Chr 24; Lk 1,8). Die Leviten halfen den Priestern (1Chr 23,6.28).
Es werden Sündopfer geschlachtet für Israel (Lev 4).
Das fehlerlose Lamm ist ein Schatten auf das sündlose Lamm Gottes (Joh 1,29; 1Petr 1,18-19). Das Blut, mit dem der Hohepriester im Allerheiligsten die Bundeslade besprengt deutet auf das Blut Christi im Neuen Bund hin, das für unsere Sünden vergossen wurde (Hebr 9,9-12.14). Alles geschieht, „wie es geschrieben steht im Buch des Mose“. Die Juden kehren um zu Gottes Wort (Jos 1,7-9). Dies ist ein guter Anfang. Die Priester und Leviten reinigten sich vorschriftsgemäss (V. 20).
Schliesslich feierten die Juden das Passafest (Ex 12,6.14.26).
Normalerweise wurde das Passafest von den Juden am 14. Nisan (erster Monat im Jahr) gefeiert. Auch das Fest der Ungesäuerten Brote wurde am 15.-21. Nisan (7 Tage lang) gefeiert. Durch diese Opferungen und Feste weiht sich das ganze Volk von Neuem dem Herrn (Neh. 8,9-12). In ihrer Dankbarkeit und Hingabe zum Herrn vergessen sie nicht den König Darius, der ihnen das alles ermöglicht hat.
Nun folgt eine Zeitspanne von 57 Jahren: für das nächste geschichtliche Ereignis, siehe das Buch Ester (ca. 480 v. Chr.).
SCHLUSSFOLGERUNGEN
Manchmal läuft nicht alles wie geplant, so dass Gemeindeprojekte für Jahre hängenbleiben.
Wir könnten uns fragen: Warum sandte Gott die beiden Propheten nicht früher? Vielleicht wäre das Volk noch nicht bereit gewesen zu hören und umzukehren. Was zählt ist das siegreiche Ende durch den Beistand Gottes (2Kor 4,8).