Esra-01a: Rückkehr der Juden

Rückkehr aus dem Exil und Tempelbau

 Teil 1a

 

GESCHICHTLICHER HINTERGRUND

931 v. Chr.: Alles begann mit der Reichsspaltung (1Kön 12).
Rehabeam war der Sohn und Nachfolger Salomos (931-913 v. Chr.). Schon während der Regierungszeit Salomos herrschte eine Ungerechtigkeit zwischen den nördlichen und den südlichen Stämmen. Statt geschickt zu verhandeln, auferlegte er den nördlichen Stämmen noch mehr Steuern. Jerobeam (931-910 v. Chr.), der sich mit seinen Leuten auflehnte, wurde König, liess eine eigene Anbetungsstelle bauen und setzte eigene Priester ein. Dies geschah in Samarien und deshalb wurden die Leute aus dem Nordreich später Samariter (oder Samarier) genannt (2Kön 17,26.29). So spaltete sich das Reich in zwei Teile:

Nordreich: 10 Stämme Israels

Südreich: 2 Stämme (Juda und Benjamin, samt den Leviten)

722 v. Chr.: Der assyrische König, Salmanasser V (727-722 v. Chr.), zog gegen Israel hinauf, belagerte es drei Jahre lang und führte es ab in die Gefangenschaft (2Kön 17).

606-586 v. Chr.: Der babylonische König, Nebukadnezzar (606-562 v. Chr.), zog gegen Juda hinauf und belagerte es (2Kön 24-25; Jer 39+52):

606 v. Chr. wurden die ersten Juden in die siebzig jährige babylonische Gefangenschaft abgeführt (Dan 1,1-4).

597 v. Chr. fand eine zweite Wegführung statt (2Kön 24,10-17), weil sie sich gegen die Besatzungsmacht auflehnten.

586 v. Chr. wurde Jerusalem samt Tempel endgültig zerstört und viele Juden in die babylonische Gefangenschaft geführt (2Kön 24,20 - 25,21; 2Chr 36,17-21). Einige flohen nach Ägypten und nahmen den Propheten Jeremia mit (2Kön 25,26; Jer 43,4-7). Nur die ärmsten Leute durften im Land bleiben (2Kön 15,12).

All das geschah, weil die Könige Israels samt dem ganzen Volk tat, was dem Herrn missfiel (2Chr 29,6-8).

Die 70-jährige babylonische Gefangenschaft (606-536 oder 585-515 v. Chr.): Gefangenschaft deshalb, weil die Juden unter heidnischer Herrschaft standen und dort Steuern zahlten. Die heidnischen Könige betrachteten Jerusalem als böse und rebellische Stadt. Trotz dieser anfangs schwierigen Zeit (siehe Klagelieder), genossen die Juden grosse Freiheiten im babylonischen Reich.

Jeremia schrieb ihnen: Jer 25,11-12; 29,4-10. Aber sie blieben Fremde im fremden Land: Psalm 137. In dieser Zeit entstanden viele Synagogen. Sie konzentrierten sich wieder mehr auf das Gesetz statt auf den Tempelberg.

Die Juden hatten auch einen grossen Einfluss im Königshof:

Z. B. Daniel und seine drei jüdischen Brüder: Chananja, Mischael, Asarja (Dan 1,7; 6,4-6).

Z. B. Ester später im persischen Reich.

Viele waren erfolgreich im fremden Land und wollten später gar nicht mehr zurück nach Jerusalem.

Während die Juden im babylonischen Exil lebten wurden die Medier und die Perser immer grösser und stärker unter Kyros (hebr. Koresch).

559 v. Chr. gewann Kyros (559-530 v. Chr.) Einfluss über die Medier.

555 v. Chr. eroberten die Medier immer mehr babylonisches Land.

549 v. Chr. wurde Kyros König über die Medier.

539 v. Chr. eroberte Kyros das grosse Babylon ohne Gegenwehr. Der Euphrat wurde umgeleitet. Die Soldaten drangen über das Flussbett in die Stadt hinein. Der babylonische König, Belschazzar, wurde umgebracht (Dan 5,30).

Es gehörte zur persischen Politik die Gefangenen in ihr Heimatland zu entlassen, in der Hoffnung, sie so besser zu Freunden zu machen.

 

KAPITEL 1: DER ERLASS DES KYROS

Gott führt seinen Plan aus!
Der HERR erweckte den Geist des Kyros (Esr 1,1). Jesaja (740-700 v. Chr.) sagte dies voraus: Jes 44,28 - 45,5. Gott nennt Kyros „Mein Hirte“. Kyros ist Gottes „Gesalbter“. Damit wird gesagt, dass Gott Kyros über Persien setzte, weil er mit seinem Volk Israel noch wichtiges vorhatte: Der Wiederaufbau Jerusalems und Tempelbau. Der höchste König, Jesus Christus, sollte dort das Volk neu zusammenführen. Kyros war ein Werkzeug in Gottes Hand. War sich Kyros seiner Aufgabe bewusst? Nein! Obschon Kyros Gottes Name brauchte (V. 2 und 3), so blieb er ein Ungläubiger. Es war üblich, dass Könige die Götter von fremden Völkern ehrten. Er war sich nicht bewusst, Gottes Werkzeug zu sein. In Vers 3 sieht man deutlich aus dem Text, dass Kyros nichts von diesem allgegenwärtigen Gott und Schöpfer verstand.

Gott ist nicht bloss eine Gottheit in Jerusalem.

Gott ist allgegenwärtig und will von allen Völkern angebetet werden.

Gott ist der König der Könige und Herr der Herren (Offb 17,14). Es gibt keine staatliche Behörde, die nicht von Gott eingesetzt wäre (Röm 13,1). Jesus erklärte Pilatus, dass jede Macht von Gott kommt (Joh 19,11). Die Feinde Gottes konnten Israel nur besiegen, wenn Gott es zuliess (2Kön 17,23). Die Machthaber der Welt dienen alle nur Gottes Plan und Ziel. Gott verhärtete Pharaos Herz in Ägypten (Ex 7,3-5; 9,13.15-16). Die Assyrer werden „Stecken meines Zorns“ genannt (Jes 10,5), um Israel zu züchtigen.

Gott kontrolliert die Mächtigsten der Welt und erfüllt seine Verheissungen! Der Herr versprach, sein Volk aus dem Exil zurückzuführen (Jer 29,10). Gottes Verheissungen haben sich immer erfüllt (2Sam 22,31; 2Petr 3,9). Gottes Ziel war, sein Sohn auf diese Welt zu bringen, um die ganze Menschheit ihm untertänig zu machen.

 

KAPITEL 2: DIE HEIMKEHRENDEN

Die lange Liste der Heimkehrenden mag dem Leser langweilig und unwichtig erscheinen, aber dennoch ist sie von grösster biblischer Bedeutung:

Hier wird die Priesterschaft der Leviten aufrechterhalten (Ex 29,9; Num 3,9-12).

Hier geht es um Namen, die dem Volk Gottes angehören, das in das verheissene Land zurückkehren darf (Jos 13,8-21.42; Lev 25,23; 1Kön 21,1-3).

Es geht hier um den Heilsplan Gottes, der damit seinen korrekten Fortgang findet (Gal 3,15-19; Eph 1,10, Apg 3,22-26; Röm 9,4-5; Hebr 8,1-6).

Hier liegt der Stammbaum von Abraham bis Christus begründet (Gen 12,1-3; Mt 1,1-16; Lk 3,23-28; Gal 3,26-29).

Nur, wer im Buch des Lebens steht darf einst ins Himmelreich heimkehren (Dan 12,1-3; Phil 4,3; Offb 3,5; 17,8; 20,12.15).

Allein, die lange Liste der Heimkehrenden, samt Familien, Tieren etc. ist erstaunlich: Vergleiche die Liste mit Nehemia 7,5-73 (V. 66-67). Die Wanderschaft dauerte ungefähr 4 Monate. Vermutlich genauso lang wie die Rückführung später unter Esra (7,9). Das forderte viel ab von den Auswanderern und zeigt ihre grosse Hingabe. Es sind die besonders Gläubigen unter den Juden. Sie hätten auch in Babylon bleiben können, denn sie waren nicht arm. Sie erhielten von ihren jüdischen Nachbarn freiwillige Spenden von Geld, Silber und Priesterkleider für den Tempel (2,68-70). Sie hatten einige Sklaven (2,64). Sie opferten grosszügig Gaben für den Wiederaufbau des Tempels (2,68-69). All das taten sie, weil sie an Gott und sein Wort durch die Propheten Jesaja und Jeremia glaubten (Jer 16,14-15; 23,7-8; 29,10). Sie sahen ihr Vergehen ein (Dtn 4,25-27; 28,58.64). Sie waren bereit, dem Gesetz Gottes zu gehorchen und dem allmächtigen Gott allein zu dienen (Dtn 5,31-33; 6,1-3; 30,1-3). Sie wollten in ihrem Land der Verheissung mit Gott weiterleben (2,70).

Die Juden kehren unter der Leitung von Serubbabel (2,2a), Jeschua (3,2) und Scheschbazzar (1,8) nach Jerusalem zurück. Serubbabel wird als Grosskind Jechonjas aufgelistet (1Chr 3,17-19), der wiederum der Sohn des Königs Jojachins19 (neu: Jehojachin) war (2Kön 24,8). Da er zuerst aufgelistet wird (2,2), ist er der Hauptleiter. Er war mit Jeschua ein Führer der Juden (3,2). Jeschua war ein Priester (3,2). Scheschbazzar legt die Fundamente des Tempels. Er bringt die Tempelgeräte, die ihm Kyros übergeben wurden (1,8-11). Er wird als Statthalter Judas beschrieben (5,14.16).

Auch wir befinden uns auf dem Weg einer langen Wanderschaft nach dem himmlischen Zuhause: Phil 3,20; 1Petr 2,11. Auf dem Weg nach Hause singen wir. Wir spenden Geld und Zeit für den Aufbau der Gemeinde, die uns sicher zum Ziel führt (Mt 6,21; Hebr 6,17-20).

 

KAPITEL 3: DAS FUNDAMENT WIRD GELEGT

Verse 1-7: Wiederaufnahme der Opfer in Jerusalem (538 v. Chr.).
Die Stadt und der Tempel waren ziemlich stark verwüstet. Das Volk versammelt sich in Jerusalem (V. 1). Der siebte Monat ist Tischri (Sept./ Okt.). In diesem Monat finden vier wichtige Festtage statt (Lev 23,23-44, siehe jüd. Kalender).

Neujahrsfest (Lev 23,23-25), auch Erinnerung an die Schöpfung oder das Gesetz am Sinai.

Versöhnungstag (Lev 23,26-32; Kap. 16; Jom Kippur). Unter dem AT gab es noch keine vollkommene Vergebung von den Sünden (Hebr 9,15). Es gab nur eine alljährliche Erinnerung an die begangenen Sünden, die das Volk vor sich herschob (Hebr 10,1-4). Deshalb war dieser jährliche Versöhnungstag so wichtig, an dem der Hohepriester für sich und das Volk opferte (Hebr 8,7).

Laubhüttenfest (Lev 23,33-44). Aus belaubten Zweigen wurden Hütten errichtet, in denen die Männer während der Feiertage wohnten. Damit erinnerten sich die Israeliten an die Zeit des Exodus, in der sie in Hütten wohnten und die Stiftshütte mit sich trugen. Es galt aber auch als Erntedank für die Erstlingsfrucht.

Heilige Versammlung (Lev 23,36), eine Erntedankversammlung, nachdem die ganze Ernte eingesammelt wurde (Ex 23,14-19).

Um diese Feste feiern zu können, wird der Brandopferaltar aufgebaut (V. 1-3). Dieser Altar stand vor dem Heiligtum oder Tempel (Ex 27,1-8). Das Volk fühlte sich schuldig und es wusste zu genau, dass ihr Ungehorsam gegenüber Gott sie in das 70-jährige Exil führte. Der Altar war wichtiger als der Tempel, denn nur durch die Opferungen für ihre Schuld, konnten sie mit Gott wieder in Gemeinschaft treten. Das Feuer des Altars wurde von Gott entzündet und durfte nie mehr ausgelöscht werden (Lev 9,22-24; Ex 29,38-46), als Zeichen der Gnadenerweisung Gottes. Der Herr soll wieder einziehen und unter seinem Volk wohnen (Ez 44,1-2).

Das Laubhüttenfest wird eingeführt (V. 4), wie es im Gesetz Mose angeordnet wurde (weitere Stellen: Esr 7,10; 10,3; 8,8-9; Neh 10,34.36). Das Volk legt nun wieder Wert auf die richtige Ausführung der Festtage und Opfer (Num 29). Das Verlassen der Gebote Gottes brachte das Volk in die Verbannung (Jes 1,10-17). Wer den Geboten Gottes Beachtung schenkte, wie der König Josia (2Kön 22,8 - 23,34), der fand Wohlgefallen beim Herrn. Gott legt Wert auf genaue Einhaltung seiner Vorschriften (Mt 15,9; 2Thess 2,15). Freiwillige Gaben werden gespendet (V. 5; Ex 35,20-29; 36,2-7).

 

Verse 8-13: Das Fundament des Tempels wird gelegt (536 v. Chr.).
Dies geschah im selben Monat als Salomon den Tempelbau begann (1Kön 6,1). Die Grundmauern des Tempels werden errichtet. Die Priester werden eingesetzt (Esra spricht von 74 Leviten, 2,40). In der Stadt bricht Freudenjubel und lautes Weinen aus. Die Jungen freuten sich über den Neuanfang. Die Älteren trauerten, weil der neue Tempel von seiner ursprünglichen Pracht weit entfernt war und weil sie ihr Vergehen kannten (Jer 3,21; Neh 8,9). Der Herr verspricht den Wiederaufbau (Sach 4,8-10). Hesekiel prophezeite einen herrlichen Tempel (Ez 40-47). Der Herr verspricht noch grössere Herrlichkeit (Hag 2,1-9). Die grösste Herrlichkeit erfüllt sich mit dem zukünftigen Tempel, der nicht aus Steinen, sondern aus Menschen gebaut wird. Das Haupt ist Jesus Christus (Eph 2,21-22). Die lebendigen Steine sind wir (1Petr 2,5).

Lektion: Wie errichten wir die Fundamente der Gemeinde erfolgreich?
Durch Einheit (Joh 17,20-21; Eph 4,1-3; Phil 2,1-2). Durch Grosszügigkeit (freiwillige Spenden wie Israel; 2Kor 8,1-5; Apg 4,32-35). Durch die richtige Prioritätensetzung (es geht nicht um Massenkirche und irgendeinen Gottesdienst, der den Menschen gefällt, sondern um die Anbetung in der Wahrheit, um Gott zu gefallen; Mt 15,9). Durch Treue im Glauben zum Herrn (1Kor 10,13; Mt 25,21; Tit 3,8). Durch Hingabe (alle beteiligten sich am Wiederaufbau; Lk 14,25-33).

 

KAPITEL 4: DREI HEFTIGE OPPOSITIONEN BEHINDERN DEN WIEDERAUFBAU

Geschichtlicher Hintergrund:

Kapitel 1-6 beinhalten zwei Themen:

Die erste Rückkehr der Juden aus dem babylonischen Exil (536 v. Chr.).

Der Wiederaufbau des Tempels (Vollendung 515 v. Chr.).

Kapitel 7-10 beinhalten eine Zeit, die 57 Jahre später stattfand:

Die Rückkehr unter Esra (458 v. Chr.).

Der Wiederaufbau der Stadt Jerusalem.

In Kapitel 4 werden drei heftige Oppositionen erwähnt:

Erste Opposition, unter Kyros (536 v. Chr.).

Zweite Opposition unter Xerxes I oder Ahasveros (485-465 v. Chr.).

Dritte Opposition unter Artaxerxes I (465-424 v. Chr.).

Kapitel 4 darf nicht so betrachtet werden, als würden sich alle Ereignisse auf den 16-jährigen Baustopp des Tempels (bis 520 v. Chr.) beziehen! Der Kommentator Clayton, der alle drei Oppositionen vor der Vollendung des Tempels sieht, ändert -

Ahasveros in Cambyses (530-522 v. Chr.),

Artaxerxes I in Pseudo-Smerdis (522-521 v. Chr.).

Der Zeitraum der verschiedenen Angriffe erstreckt sich auf ca. 80 Jahre.

Esra schreibt dieses Buch ungefähr im Jahre 450 v. Chr. Esra fasst in Kapitel 4 alle Widerstände zusammen, so dass man annehmen könnte, sie beziehen sich alle auf den Tempelbau, der daraufhin gestoppt wurde. Diese Annahme ist falsch! Bei der ersten Opposition wird vorwiegend vom Tempelbau gesprochen (siehe Abschnitt Verse 1-5). Die zwei folgenden Oppositionsbriefe finden viel später statt. Die Namen der adressierten Könige lebten zu späteren Zeiten. Zudem ist nicht mehr vom Tempel sondern vom Aufbau der Stadt die Rede ist (V. 12 und 21).

Vers 5 bildet den Abschluss der ersten Opposition, durch die der Tempelbau verhindert wird und die bis ins zweite Jahr der Regierung des Königs Darius andauert (520 v. Chr.).

Vers 24 bestätigt dies erneut, was leider zur falschen Annahme führt, dass alle drei Oppositionen den Tempelstopp verursachten.

Verse 1-5: Erste Opposition unter Kyros (536 v. Chr.).
Wer sind die Gegner Judas und Benjamins? Es sind fremde Völker, die der König von Assyrien in Samarien ansiedeln liess: 2Kön 17,24-33. Diese fremden Völker haben mit den Judäern nichts gemeinsam, sondern würden vielmehr eine Bedrohung für ihren Neuanfang mit Gott darstellen. Mit Juda und Benjamin sind die Südstämme gemeint, die zuletzt ins Exil geführt wurden. Eine Zusammenarbeit mit diesen Völkern am Tempelwiederaufbau musste unter allen Umständen verhindert werden. Der Fluch Gottes hätte erneut über Israel gelastet. Mit dem Erlass des Königs Kyros hat Serubbabel hatte ein starkes Argument in der Hand, um die Gegner abzuweisen. Mit viel Geschick und voller Intrigen gelingt es den Gegnern jedoch, Gottes Volk am Wiederaufbau des Tempels zu hindern. Sie bestechen Leute und schüchtern das Volk ein. Der Tempelbau bleibt 16 Jahre lang eingestellt.

Vers 6: Zweite Opposition unter Xerxes I oder Ahasveros (485-465 v. Chr.).
Etwa 50 Jahre später formulieren die Gegner Judas an Xerxes I oder Ahasveros (486-465) eine Anklage. Leider wird uns über dieses Schreiben nichts berichtet.

Verse 7-23: Dritte Opposition unter Artaxerxes I (465-424 v. Chr.).
Etwa 40 Jahre später ist von einer weiteren Klage die Rede, die an den damaligen Regenten (Arthahasastha, Zürcher-alt) gerichtet wird. Rechum (V. 8) ist vermutlich ein persischer Befehlshaber, der über der Provinz Samarien herrscht. Schimschai (V. 8) ist der Schreiber oder Sekretär. Jeder Befehlshaber hatte seinen Sekretär. Der Sekretär wurde vom König eingesetzt mit überwachender Autorität. Diese Zwei werden von etlichen Gefährten, aber auch Leuten aus der Bevölkerung, unterstützt (V. 9).

Der assyrische Monarch Asnappar (Assurbanipal, Zü-alt), der 669-630 v. Chr. regierte, soll Juden aus dem Nordreich in die Verbannung geführt haben. Dies würde bedeuten, dass auch die 10 Stämme lange nach dem Fall Samariens, in 721 v. Chr., mehrmalige Deportationen erlebten. Zudem bestätigt dies die richtige Entscheidung Serubbabels, der sich nicht mit den fremden Völkern (V. 9) solidarisieren wollte.

Das Schreiben an den König Artaxerxes I (465-423 v. Chr.) enthält folgende Argumente:

Jerusalem sei eine aufrührerische und böse Stadt (V. 12b).

Wenn diese Stadt aufgebaut sei, werde das Volk keine Steuern mehr zahlen und dem persischen König schaden (V. 13).

Die Schreiber hätten „vom Salz des Palastes gegessen“ bedeutet, dass sie sich dem Königshof verpflichtet fühlen, diese Meldung zu erstatten (siehe Fussnoten in neuer Zürcherbibel; V. 14).

Sie versuchen die Blossstellung des Königs zu verhindern (V. 14).

Sie verweisen auf ein Geschichtsbuch, in dem über Jerusalem berichtet wird (V. 15).

Der Grund der Zerstörung Jerusalems sei der Aufruhr der Stadt gewesen (V. 15), gegen den damals herrschenden König (2Kön 24,20).

Der König könne damit rechnen, dass er seine Macht über diese Stadt und das Volk verlieren würde (V. 16).

Die Antwort des Königs enthält folgende Elemente:

Der Brief sei ihm Wort für Wort vorgelesen worden (V. 18).

Nachforschungen haben ergeben, dass die Stadt Jerusalem in der Tat gegen die jeweiligen Könige Aufruhr und Aufstand gestiftet hat (V. 19).

Jerusalem hatte mächtige Könige, deren alle Nationen rings herum Steuern und Abgaben entrichten mussten (V. 20).

Deshalb ergeht der dringende Befehl vom König: Stoppt den Weiterbau dieser Stadt (V. 21).

Die Lage sei ernst und man müsse dem Bau unter allen Umständen Einhalt gebieten, damit dem König keinen Nachteil daraus entstehe (V. 22).

Die Empfänger dieses Briefes gingen „eilends“ nach Jerusalem und befahlen den Judäern mit der Autorität des persischen Königs sofort mit Bauen an der Stadt aufzuhören (V. 23).

Vers 24: Der Baustopp des Tempels dauerte 16 Jahre (536-520 v. Chr.)
Aus Kapitel 3 erfuhren wir, dass etliche Juden nach Jerusalem zurückgingen, mit der Absicht, den Tempel wieder aufzubauen (536 v. Chr.). Obschon jede Hand beim Wiederaufbau gebraucht wäre, lehnen Serubbabel und Jeschua von den fremden Völkern jede Hilfe ab. Die Gegner können das Volk Gottes 16 Jahre lang am Bau hindern. Der Prophet Haggai versucht das Volk zum Weiterbau zu motivieren (520 v. Chr.). Auch Sacharja versucht zwei Monate später das Volk zum Weiterbau voranzutreiben (520 v. Chr.). Schliesslich wird der Tempel endlich fertig gestellt (515 v. Chr.). Bis zur Rückkehr Esras in Kapitel 7 (458 v. Chr.) erfahren wir 57 Jahre lang nichts aus der Bibel (ausser, die Geschichte aus dem Buch Ester).

 

Praktische Lektionen für uns:

Satan versucht mit aller Macht Gottes Werk zu zerstören! Nach der Gründung der Gemeinde war dies dasselbe (Apg 4,5-22; 5,17-25; 7,51-8,3): 2Tim 3,12-13. Je weniger Christen es auf Erden gibt, desto mehr kann sich Satan auf die noch Übriggebliebenen konzentrieren. Deshalb hat Jesus die Werke des Teufels zerstört: 1Joh 3,7.

Die Konsequenz von Opposition ist oft „Baustopp“! Wie leicht können wir durch negative Einwände Angst machen und Glieder in ihrer Arbeit für den Herrn entmutigen. Siehe die Kundschafter Moses (Num 13,26-34). Aus Angst vergrub der Diener mit dem einen Talent sein Talent (Mt 25,25-29). Um Angst zu überwinden brauchen wir Glauben (Mt 19,26; Röm 8,31-39; Eph 3,20; Phil 4,13). Konstante Kritik kann die Kraft der Dienenden lähmen: 1Kor 15,57-58.

Wir sollen uns als lebendige Steine zu einem heiligen Tempel im Geist aufbauen lassen: 1Petr 1,5-6.