Wüstenwanderung
Einleitung
Wäre die israelitische Geschichte ein Theaterstück, müsste sie als Tragödie eingestuft werden. Nachdem Gott das Volk durch Mose aus der Sklavschaft in Ägypten befreite, wurde es dem Herrn immer wieder untreu und undankbar.
- Abfall durch das goldene Kalb (Ex 32).
- Unzufriedenheit und Murren nach Fleisch (Num 11).
- Auflehnung Mirijams und Aarons gegen Mose (Num 12).
- Durch die Kundschafter: Aufruhr und Unglaube des Volkes, anschliessend Ungehorsam und Vermessenheit (Num 14).
- Aufstand durch die Rotte Korachs (Num 16).
- Unzufriedenheit und die bronzene Schlange (Num 21).
- Abfall durch den Götzendienst in Schittim (Num 25).
Das Volk stellte Gott immer wieder auf die Probe. Doch der Herr begegnete den Zweifeln und Ängsten des Volkes gnädig und gab ihnen immer wieder seine Zusicherung. Das Volk war durch den Bund mit Gott wie verheiratet (Jes 54,5; Jer 2,2; Hos 2,18).
In der zweiten Phase ihrer Wanderung, führte der Herr sein Volk vom Sinai an die Grenzen Kanaans. Dort fiel das Volk erneut von Gott ab und trieb Götzendienst (Num 25). Das war der Höhepunkt ihres Unglaubens, Ungehorsams, Murrens, ihrer Unzufriedenheit und Auflehnung gegen Gott (Ex 14,10-12; 15,23-25; 16,1-3). Gott bestrafte 24 000 Israeliten mit dem Tod: Viele Volksgenossen starben durch diese Plage. Die Leiter starben durch Tötung. Eine ganze Generation war dazu verdammt, in der Wüste zu sterben (Num 14,20-24).
Bei all dem gab Gott jedoch seine Fürsorge für sein Volk nie auf, trotz ihrer Rebellion. Das Volk Gottes stand unter seinem permanenten Segen (Num 23,20-21; 24,1.9). Sie wussten nicht einmal, was Balak und Bileam im Schilde führten. Im besten Fall sahen sie den Rauch auf den drei Höhen, wo die sieben Brandopfer dargebracht wurden und meldeten es Mose. Der Herr hatte seinen Sohn Jesus Christus als das grosse Ziel im Auge (Gal 4,4; 1Petr 1,20). Der Heilsplan Gottes für alle Menschen lag in der Hoffnung seines Sohnes (Mk 1,15; Joh 3,16; Eph 1,10).
Numeri 25
Vers 1: Das Volk lagerte sich in Schittim (= Akazien, 33,49), in der östlichen Jordanebene Moabs, die sehr schön war (22,1; 24,5-7). Offenbar war Bileam frustriert, weil er das Volk nur segnen konnte. Deshalb gab er den Feinden Israels den Tipp, wie sie verführt werden können (Num 31,16).
Vers 2: Die Moabiter luden die Israeliten zu ihrem grossen Volksfest ein.
Vers 3a: Israel versündigte sich auf folgende Weise:
1. Sie trieben Unzucht mit den Moabiterinnen (obschon viele verheiratet waren).
2. Sie nahmen am Götzendienst des Baal Peor teil (d. h. auch an den sexuellen Orgien, die bei Götter Verehrung üblich war).
3. Sie assen Götzenopferfleisch (vom Gesetz Mose verboten, Ex 20,4).
4. Sie warfen sich vor den Götzen nieder (und begannen geistliche Unzucht).
Vers 3b: Der Herr wurde sehr zornig über sein Volk.
Gott sagt von sich selbst, dass er ein eifersüchtiger Gott ist (Ex 20,5; 34,14; Dtn 5,9) und ein verzehrendes Feuer (Hebr 12,28). Im Gegensatz zu vielen in der heutigen Zeit, die Gott nur als barmherzigen und gnädigen Vater sehen, kann der Herr auch zornig werden (Röm 1,18; Offb 6,16).
Verse 4-5: Gott befiehlt Mose alle abtrünnigen Führer des Volkes zu töten.
Das Strafgericht hatte bereits begonnen, indem viele Volksgenossen starben (= Plage, V. 8) und ihre Angehörigen vor dem heiligen Zelt um sie trauerten (V. 6c). Es war nicht die erste Plage, mit der Gott sein Volk mit dem Tod bestrafte (siehe Ex 32,35; Num 14,37). Um dieser Plage (durch plötzlichen Tod) Einhalt zu gebieten, mussten zuerst einmal die abtrünnigen Führer des Volkes gepfählt werden (V. 5). Das heisst, dass die Führer des Volkes am helllichten Tag mit einem Pfahl aufgespiesst wurden. Vielleicht wurde der Pfahl sogar anschliessend als Mahnmal in den Boden gesteckt. So starb die Generation endgültig aus, die mit Mose aus Ägypten auszog. In Numeri 26 findet eine Volkszählung statt, welche die zweite Generation betrifft und niemand von der ersten Generation betrifft, ausser Josua und Kaleb (Num 26,63-65).
Verse 6-9: Der Priester Pinechas tötet im Eifer einen Volksgenossen und eine Midianiterin mit einer Lanze.
Zu den rituellen Handlungen der heidnischen Götzendienste zählte manchmal auch religiöse Prostitution. Es scheint, dass sich die Israeliten mit den moabitischen Frauen zu einer Art sexueller Orgie im Namen Baals einliessen. Damit machte sich Israel des physischen als auch des geistlichen Ehebruchs schuldig.
Weil im Text ein anderes hebräisches Wort für Zelt vorkommt wird diskutiert, ob die kultische Prostitution im Heiligtum vollzogen wurde. Das wäre noch skandalöser und würde den Zorn des Priesters noch mehr rechtfertigen, der mit einer Lanze einen Volksgenossen und eine Midianiterin tötete. Da der Text aber nichts Detailliertes sagt, kann diese Annahme nicht bestätigt werden. Vielleicht wurde neben dem Eingang des Heiligen Zeltes ein weiteres Zelt aufgerichtet, in dem die kultische Prostitution vollzogen wurde.
Bereits nach dem ersten Vollzug des Todesgerichts durch Pinechas, hörte das Sterben im Volk auf (V. 8b). Götzendienst als auch Unzucht waren, gemäss dem Gesetz, ein Verbrechen auf das die Todesstrafe lastete (Ex 22,19; Lev 20,10; Dtn 22,22-24). Insgesamt starben an dieser Plage 24 000 Israeliten.
Weshalb spricht Paulus in 1Kor 10,8 von 23 000?
Es kann sein, dass Paulus vom Volk sprach (durch die Plage) und Mose vom Volk, samt ihren Führern, die durch Tötung umkamen. Eine andere Erklärung ist, dass Paulus nicht von Dtn 25, sondern von Ex 32 (goldenes Kalb) spricht. In Ex 32,27 befiehlt der Herr, dass die Israeliten sich mit dem Schwert gürten sollen. In Ex 32,28 wurden 3000 Männer an einem Tag getötet. In den folgenden Tagen kamen in Ex 32,35 vermutlich 20 000 durch eine Plage um.
Verse 10-18: Die Konsequenzen der Sünde.
Der Priester Pinechas machte sich durch den Mord nicht schuldig, sondern der ganze Priesterstamm wurde von Gott durch seine Tat gesegnet (V. 13). Gott macht mit Pinechas einen Friedensbund, der ihm persönlich den Segen zusichert (V. 12). Er und die gesamte Nachkommenschaft Aarons soll mit dem Priesteramt für ewige Zeiten betraut werden (V. 13).
Die Midianiter mussten für ihre Arglist sterben (V. 17-18). Zuerst werden die Abtrünnigen, die im Zeltgemach ermordet wurden mit Namen genannt: Simri (aus dem Stamm Simeon) und Kosbi (eine Midianiterin). Beide stammten von Führern ihrer Völker und waren allen wohlbekannt. In Numeri 31 lesen wir, wie dieses Gottesurteil vollstreckt wurde, samt Bileam (31,16), der sich immer noch in Moab aufhielt.
Schlussfolgerungen
Die Lehre Bileams blieb den Israeliten als Mahnmal in Erinnerung, obschon sie nicht mitbekamen, was sich damals auf den Höhen abspielte. Mose richtete ein Gesetz auf, dass die Ammoniter und Moabiter für immer aus den Versammlungen des Herrn ausgeschlossen blieben (Dtn 23,4-5; Neh 13,2). Josua erinnerte das Volk daran, wie sie der Herr aus den Feinden errettete (Jos 13,22). Der Prophet Micha erinnerte das Volk an die gerechten Taten des Herrn, als sie von Balak und Bileam bedrängt wurden (Mi 6,5). Ist es nicht so, dass auch wir heute nicht wissen, was sich hinter den Kulissen abspielt und wie oft der Herr uns schon beistand und vor Unheil verschonte (1Petr 3,8-17)?
Wenn wir von der Lehre (διδαχή) Bileams lesen, dann denken wir vielleicht zuerst an eine bestimmte Lehre, die Bileam lehrte. Das ist aber nicht der Fall, sondern es handelt sich vielmehr um eine Lebenslektion, die Bileam erfuhr und für uns bis heute eine grosse Lehre ist.
Generell gesagt, zeigt uns die Lehre Bileams was Sünde ist. Die Grausamkeit des Kreuzestodes Christi zeigt, wie ernst Gott die Sünde nimmt. Sünde wird vom gerechten Gott bestraft. Sünde ist listig und betrüget uns durch Kompromisse. Sünde versucht es immer wieder (wie bei Bileam; Num 22,19-21). Sünde ist grausam und zerstörerisch. Daher ist es notwendig, dass wir genau informiert sind darüber, was Sünde ist. Denn die Konsequenz der Sünde ist der ewige Tod (Röm 6,23).
Die Lehre lautet (1Joh 5,21): „Kinder, hütet euch vor den Götzen.”
- Götzendienst ist der Hauptgrund, warum Israel (= 10 Stämme) später zerstreut und Juda (übriggebliebener Südstamm) in die Verbannung geführt wurde (Jer 10).
- Das erste Gebot lautet (Ex 20,3): „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.”
- Gott rief sein Volk auf, sich zu weihen (Lev 19,2): „Ihr sollt heilig sein, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig.”
- Im NT lesen wir, dass wir durch die Habsucht dem Götzendienst verfallen (Kol 3,5). Immer mehr haben wollen (nie genug bekommen). Die Haltung Bileams war: „Für Geld tue ich alles.” Irgendetwas höherstellen, als Gott und sein Reich. Ein Christ soll ein bescheidenes und genügsames Leben führen (Hebr 13,5).
Die Lehre lautet (Eph 5,3): „Unzucht aber und jede Art von Unkeuschheit oder Habgier soll bei euch nicht einmal erwähnt werden …”
Unzucht kommt im NT fast in allen Aufzählungen vor und ist Sünde, d. h. bei Gott verwerflich (Gal 5; Eph 5). Wer Unzucht treibt, wird das Reich Gottes nicht erben (1Kor 5,11- 13; 6,9-11). Im AT wird immer wieder vor Mischehen gewarnt (Dtn 7,2b-4): Das hat nichts mit Rassismus zu tun, sondern mit der Treue gegenüber Gott. Es besteht die Gefahr vom Herrn abzufallen (1Kön 11,1-4). Auch im NT werden Gläubige aufgerufen, sich nicht mit Ungläubigen zu vermählen (1Kor 7; 2Kor 6,14; 1Petr 3,1-4).
Die Lehre Bileams bleibt in verschiedener Hinsicht auch eine Warnung für uns!