Wüstenwanderung
Einleitung
In den folgenden zwei Kapiteln lesen wir von vier Orakelsprüchen Bileams, die unerwünschter Weise in Segenssprüche für das Volk Israel ausarteten (23,23).
Erster Orakelspruch (Num 23,7-10) in Bamot-Baal (Num 22,41).
Zweiter Orakelspruch (Num 23,18-24) auf dem Gipfel Pisga (Num 23,14).
Dritter Orakelspruch (Num 24,3-9) auf dem Gipfel Peor (Num 23,28).
Vierter Orakelspruch (Num 24,15-24) auf dem Gipfel Peor (Num 23,28).
Balak und Bileam hatten unterschiedliche Motive für diese Orakelsprüche:
1. Balak ging es um den Fluch für das Volk Israel.
2. Bileam ging es um das Geld für seine Dienste.
Beide erreichten ihr Ziel nicht, weil Gott von Anfang an seine Hände im Spiel hatte.
Durch die Segenssprüche Bileams werden Gottes Verheissungen erneuert (Gen 12,1-9; Ex 6,8). (Siehe Tabelle am Ende!)
Erster Orakelspruch (Num 23,7-10)
Der Moabiterkönig Balak nimmt den Wahrsager Bileam auf eine Höhe, die dem Götzen Bamot-Baal geweiht ist (Num 22,41). Bileam übernimmt sofort seinen Dienst, indem er anordnet, sieben Altäre mit sieben Stieren und Widdern für ein Brandopfer vorzubereiten (V. 1-2). Anschliessend lässt er Balak und die Fürsten Moabs bei den Altären und zieht sich auf eine Anhöhe zurück, um von Gott eine Vision zu empfangen (V. 3-6).
Was erwarten die beiden Götzendiener eigentlich?
1. Sie opfern auf einem Götzenberg Brandopfer (Ps 115).
2. Sie sind erfüllt mit Hass und bösen Absichten für Gottes Volk.
Der lebendige Gott demonstriert seine Allmacht und zeigt allen Hochmütigen, dass er ein Wörtchen mitzureden hat (Jak 4,6; Spr 16,5).
Bileams Segensspruch (Num 23,7-10):
1. Er beginnt damit, dass Balak ihn aus dem Land der Aramäer rief, um Israel zu verfluchen (V. 7).
2. Er gibt zu, dass er machtlos ist, gegen den Willen des lebendigen Gottes, dies zu tun (V. 8).
3. Er sieht in seiner Vision, dass Israel von Gott auserwählt wurde (V. 9, Ex 19,5).
4. Die Nachkommen Jakobs sind so zahlreich wie Staub, den niemand zählen kann (V. 10a).
5. Bileam wünscht sich, er würde zu den Gerechten Gottes zählen und so sterben wie sie (V. 10b).
6. Zusammenfassung: Israel war das auserwählte Volk Gottes. Israel wurde zahlreich wie Staub, der nicht gezählt werden konnte (Gen 13,16; 22,17). Israel zählte zu den Gerechten Gottes (Dtn 7,7).
Balak war über den Segensspruch Bileams verärgert (V. 11). Der ganze Aufwand war umsonst. Bileam rechtfertigte sich damit, dass er nur seine Vision kundtat (V. 12).
Zweiter Orakelspruch (Num 23,18-24)
Balak nahm Bileam mit auf den Gipfel Pisga (Num 23,14), von wo aus er nur einen kleinen Teil Israels sehen konnte (V. 13-14). Dort sollte Bileam eine neue Vision empfangen. Erneut wurden auf dem Götterberg sieben Altäre für die Brandopfer von sieben Stieren und Widdern errichtet (V. 14). Bileam zog sich erneut zurück, um eine Vision zu empfangen (V. 15). Der Herr legte Bileam einen anderen Segensspruch in den Mund, den er aussprechen sollte (V. 16). Bileam kam zu den Altären zurück, wo Balak und die Fürsten der Moabiter warteten (V. 17). Ungeduldig fragte Balak: „Was hat der Herr geredet?”
Bileams Segensspruch (Num 23,18-24):
1. Er richtet sich direkt an den Moabiterkönig Balak und sagt ihm, dass er gut zuhören soll (V. 18).
2. Er erklärt ihm, dass Gott nicht lügt, wenn er sagt, dass er Israel segnet (V. 19). Dazu stellt er eine rhetorische Frage. Das gab es noch nie in der Geschichte, dass Gott sich unstetig erwies und nach willkürlichen Gefühlen entschied. Gott versprach nie etwas, das er nicht einhielt.
3. Bileams Auftrag ist es, das Volk Israel zu segnen, weil Gott es bereits segnete und diese Tatsache ist unwiderruflich (V. 20).
4. Der Herr ist ihr König und sorgt für sein Volk (V. 21).
5. Der Herr brachte das Volk mit starker Hand aus Ägypten (V. 22).
6. Kein Orakel vermag den Nachkommen Jakobs zu schaden, denn ihr Gott wird für sie kämpfen (V. 23).
7. Israel erhebt sich wie eine Löwin, die auf Raubzug geht und am Ende seine erlegte Beute verzehrt (V. 24).
Balak unterbrach ihn, indem er sagte, dass er das Volk schon wieder segnete statt verfluchte (V. 25). Balak war verärgert. Wenn Bileam das Volk nicht verfluchen konnte, dann sollte er es wenigstens nicht noch segnen.
Der Wahrsager Bileam erwiderte, dass er schon einmal sagte, er sei machtlos (V. 26). Dies sagte Bileam nicht aus Glauben an Gott. Denn der Herr sprach durch ihn.
Balak gab noch nicht auf und brachte den Wahrsager an einen weiteren Ort (V. 27). Er hoffte, endlich den richtigen Ort für den Ritual gefunden zu haben, der diesem Gott gefällt, der zu Bileam sprach (V. 27). Er führte ihn auf den Gipfel des Berges Peor (V. 28). Auch diese Höhe war eine Opferstätte für Götterverehrung. Von dort sah man über die Jordanebene. Zum dritten Mal forderte Bileam sieben Altäre zu bauen, um sieben Stiere und sieben Widder zu opfern (V. 29). Balak befolgte Bileams Anweisungen und opferte auf jedem Altar einen Stier und einen Widder (V. 30).
Dritter Orakelspruch (Num 24,3-9)
Bileam wurde es bewusst, dass es Gott gefiel, Israel zu segnen (V. 1). Deshalb ging er diesmal anders vor und zog sich nicht zurück (V. 1b). Er richtete sein Gesicht in die Wüste, auf das lagernde Volk (V. 1c und 2a).
Da kam der Geist Gottes über ihn und er begann zu reden (V. 2b). Er beschreibt sich als Seher, dem Gott die Augen öffnet (V. 3). Er hört die Worte Gottes und die Vision des Allmächtigen (El-Schaddai, V. 4). Er spricht davon, dass er hinsank und meint damit, als die Eselin unter ihm zusammenbrach (22,27). Er ist ein Niedergesunkener, der den verborgenen Engel sah (22,31; V. 4c). Ein ähnliches Erlebnis hatte Saul auf dem Weg nach Damaskus (Apg 9).
Dann beginnt er das friedvoll lagernde Volk mit ihren Zelten zu rühmen (V. 5). Offenbar war es ein sehr schöner Ort, an den der Herr sein Volk brachte (V. 6). Die Könige Israels werden mächtiger sein als Agag, die Amalekiter (1Sam 15,8) und ihre Herrschaft wird sich im ganzen Orient ausbreiten (V. 7).
Israel hat einen unbesiegbaren Gott, der sie aus Ägypten führte und alle Völker, die sich ihnen entgegenstellen, zu vernichten vermag (23,22; V. 8). Er schliesst seinen Spruch mit den Worten, dass Israel wie ein Löwe ist, der nicht herausgefordert werden sollte (V. 9). Damit wird der Segensspruch Jakobs erwähnt, den er kurz vor seinem Tod über Juda machte (Gen 49,9). Er spricht auch die Verheissung Gottes aus, die der Herr Abraham und seinen Nachkommen gab (Gen 12,3).
Balaks Zorn erreicht seinen Höhepunkt (V. 10). Er schlägt die Hände zusammen und klagt den Wahrsager an, dass er Israel dreimal segnete, statt verfluchte. Balak sagt mit anderen Worten: „Mach, dass du nach Hause kommst, sonst töte ich dich! Ich versprach dir, dich reichlich zu belohnen, doch nun hast du dich um deinen Lohn gebracht. „Das hast du nun von deinem Gott.”
Bileam wiederholte seine Rechtfertigung (22,18; V. 11-12). Es kann auch so verstanden werden, dass Bileam eben doch an Gott glaubte. Er bekennt sich jedenfalls zum Herrn „meines Gottes”. Er akzeptierte seine Niederlage samt dem Verlust seiner grossen Entlöhnung (V. 14). Er sagte dem König, dass er sich verziehen werde. Bevor er das tat, werde er ihm noch die ganze Wahrheit sagen, die er in seiner Vision sah.
Vierter Orakelspruch (Num 24,15-24)
Der vierte Orakelspruch beginnt wie der Dritte (vergl. 23,3-4 mit 23,15-16). Bileam sagt voraus, dass ein König kommen werde, der die Moabiter zerstören wird (V. 17). Ausgerechnet die Moabiter, dessen König Israel verfluchen wollte, werden am Ende selbst verflucht.
Der kommende König wird nicht nur Moab, sondern auch Edom in seinen Besitz nehmen (V. 18). Der König, der sich in Israel erhebt, wurde durch David erfüllt. David war der grösste König Israels, der die Moabiter und Edomiter eroberte (2Sam 8,2.14). Von jüdischer Sicht aus gesehen, bezieht sich diese Verheissung auf den kommenden Messias. Aus christlicher Sicht ist der Nachkomme Davids Jesus, „der helle Morgenstern” (Offb 22,16). Jesu Geburt wurde durch einen leuchtenden Stern angekündigt (Mt 2,2).
Jesus ist der mächtigste König, den es je gab und geben wird (Phil 2,9-11): „Deshalb hat Gott ihn auch über alles erhöht und ihm den Namen verliehen, der über allen Namen ist, damit im Namen Jesu sich beuge jedes Knie, all derer, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.”
Der kommende König wird aus Jakob hervorgehen (V. 19).
Diese Prophezeiungen erfüllten sich mit den übrigen Prophezeiungen, die Gott Israel gemacht hat (Gen 12,3). In diesen Versen werden die Verheissungen Gottes erneuert (V. 17.19).
Die folgenden Verse sprechen vom Untergang von drei weiteren Nationen, die Israel unterdrücken werden (V. 20-24):
1. Amalekiter (1Sam 15; 30,17; 1Chr 4,43)
2. Keniter (1Sam 15,6)
3. Kittäer (vermutlich Griechenland und Zypern, Dan 11,30).
Bileam zog seines Weges, vermutlich nach Mesopotamien (Num 22,5). Es könnte auch sein, dass er in Moab blieb, wo er später von den Israeliten getötet wurde (Num 31,8; Jos 13,22). Gott schloss jeglichen Anteil der Ammoniter und Moabiter an den Israeliten aus (Dtn 23,4-5).
Schlussfolgerungen
Die Segnungen Israels erinnern uns an die Verheissungen Gottes, die an Abraham erging (Gen 13,16; 22,17). Zudem enthielt die Verheissung Gottes an Abraham, dass sich mit seinen Nachkommen alle Völker der Erde Segen wünschen werden (Gen 22,18a). Paulus erklärt im Neuen Testament, dass sich diese Verheissungen durch Jesus Christus erfüllten (Gal 3,16).
Im Neuen Bund hat sich Gottes Segen auf alle Völker aus allen Nationen ausgebreitet. Jeder, der das Evangelium von Jesus hört und dem glaubt, indem er sich zur Vergebung seiner Sünden taufen lässt (Apg 2,38; Röm 10,8-11; 1Thess 5,9-10), wird gerettet werden. Jeder, der glaubt und dem Willen Gottes gehorcht, darf sich zu den Nachkommen Abrahams zählen (Gal 3,7) und wird den geistlichen Segen des ewigen Lebens empfangen (1Joh 5,11).
Bileam ist mit Melchisedek vergleichbar, weil wir nicht mehr über ihn wissen (Gen 14).
Hier zeigt sich, dass der Prediger, den sich Gott aussucht, oft nicht das predigt, was wir gerne hören wollen.
Erfüllte Verheissungen (Tabelle weiss)
Erfüllte Verheissungen (Tabelle farbig)

