Zeichen und Wunder
Einleitung
In Korinth sagt Paulus, dass es verschiedene Gaben und Ämter gab, aber nur einen Geist (1Kor 12,4).
1Kor 12,7: „Jedem wird die Offenbarung des Geistes so zuteil, dass es allen zugute kommt.”
Deshalb sollte jeder seine Gabe zum Wohl der Anderen einsetzen.
Der Gemeinde in Ephesus erklärt Paulus, dass Christus jedem einen Anteil an Gaben gegeben hat.
Eph 4,7: „Jedem Einzelnen von uns aber ist die Gnade gegeben nach dem Mass, mit dem Christus zu geben pflegt.“
Die Gnadengaben sind für die Einheit und den Aufbau des ganzen Leibes gedacht (Eph 4,12).
Derselbe Schwerpunkt ist im Römerbrief zu finden (Röm 12,4-8). Es gibt viele Glieder, aber einen Leib. Die Glieder haben nicht dieselben Gaben oder dieselben Aufgaben. Jedes Glied ist jedoch mit den anderen verbunden. Deshalb sollen alle ihre Gaben zum Wohl des ganzen Leibes einsetzen.
Petrus drückt eine ähnliche Lehre aus (1Petr 4,10-11). Es gibt verschiedene Gaben, aber jede soll dem Wohl des ganzen Leibes dienen. Diejenigen, die die Gaben besitzen, sind nur Verwalter der Gnade, die Gott uns in vielfältiger Weise schenkt.
Zwei Listen
Im 1. Korintherbrief werden zwei Listen von Geistesgaben aufgeführt.
Die erste Liste enthält vierzehn verschiedene Gaben, die damals als übernatürliche Wundergaben Gottes dienten (1Kor 12,8-10):
1. Weisheitsrede: Die göttliche Fähigkeit Gottes Weisheit durch das Evangelium Christi auszudrücken.
2. Erkenntnisrede: Das Empfangen von göttlichen Informationen, um sie mit anderen zu teilen (1Kor 14,6).
3. Glaube: Übernatürlicher Glaube, der übernatürliche Werke ausübt (Mt 17,20; 1Kor 13,2):
4. Gabe der Heilung: Die göttliche Kraft, verschiedene Krankheiten zu heilen (Apg 4,30; 5,15-16; Jak 5,14-15).
5. Wunderkräfte: Die göttliche Kraft, andere Wunder als Heilungen zu bewirken (auch Strafen in Apg 13,9-11), wie das auch Jesus tat (Mk 16,17-18).
6. Prophetische Rede: Von Gott inspirierte Rede, um das Evangelium zu verkünden oder die Zukunft vorauszusagen (Apg 11,27-28).
7. Unterscheidung der Geister: Die göttliche Fähigkeit zu unterscheiden, ob jemand von Gottes Wahrheit spricht oder nicht (1Kor 14,29; 1Thess 5,20; 1Joh 4,1).
8. Arten der Zungenrede
9. Übersetzung der Zungenrede
Die zweite Liste enthält acht Geistesgaben oder Funktionen, die es damals in der Urgemeinde des ersten Jahrhunderts gab (1Kor 12,28-30):
1. Apostel: Die zwölf Apostel (Mt 10,2-4; Apg 1,21-22; 1Kor 15,5; Eph 4,11), plus Paulus hatten viele Gaben und spielten eine fundamentale Rolle für die Geistesgaben in der frühen Gemeinde (Apg 9). Es gab aber auch Abgesandte für eine Missionsreise, wie Barnabas, Silas und Jakobus (Apg 13,1-4; Apg 14,4; Gal 1,19; Eph 4,11).
2. Propheten: Sie übermittelten den Gläubigen Gottes Wort in mündlicher und schriftlicher Form (1Kor 14,1.22).
3. Lehrer: Diese Gabe wurde gebraucht, um den Gläubigen in der Urgemeinde das Gehörte festzumachen und den Unterschied zwischen dem alten und neuen Bund detaillierter zu erklären (Eph 4,11; Jak 3,1).
4. Wunderkräfte: Mit dieser Gabe konnte jemand übernatürliche Wunder vollbringen (1Kor 12,10).
5. Heilungsgaben: Mit dieser Gabe konnte jemand Menschen von ihren Krankheiten heilen (Jak 5,14).
6. Hilfeleistungen: Diese Gabe ist wie die, welche in Römer 12,7 erwähnt wird und betrifft Dienste an Armen, Waisen und Witwen, auch Fremde.
7. Leitungsaufgaben: Älteste, die damals die Gemeinden leiteten, besassen diese Gnadengabe (Röm 12,8; Apg 20,28; 1Petr 5,1-3).
8. Zungenrede: Gläubige mit dieser Gabe redeten in nie erlernten Sprachen und verkündigten Gottes Wort.
Weitere Listen:
Eine weitere Liste von sieben Gaben finden wir im Römerbrief (Röm 12,6-8), von denen aber keine übernatürlich ist. Paulus hatte vor, nach Rom zu reisen, um den Gläubigen Geistesgaben zu übermitteln (Röm 1,11). Es gibt keinen Hinweis, dass ein Apostel in Rom war, bevor das Buch an die Römer geschrieben wurde. Das heisst, dass die Gläubigen in Rom keine Wundergaben besassen, die durch die Auflegung der Hände der Apostel übermittelt werden konnten. Somit konnten die sieben Gaben im Römerbrief nicht übernatürlich sein.
Eine gemischte Liste von Geistesgaben und natürlichen Gaben finden wir in Epheser 4,1-12.
Gottes Heilsplan
Im AT wird Mose als der erste Prophet Gottes betrachtet (Ex 4,12). Im AT lesen wir von Mose, der von Gott berufen wurde und den Auftrag erhielt, vor den ägyptischen Pharao zu treten, um seine göttlichen Botschaften mit Zeichen und Wunder zu bestätigen (Ex 3 & 4).
Mose war ein Prophet (Ex 4,12).
Ein Prophet ist ein inspirierter Wortführer Gottes.
Durch Mose erfahren wir die Aufgaben eines Propheten Gottes.
Der Herr erklärte Mose (Dtn 18,18): „Einen Propheten werde ich für sie auftreten lassen aus der Mitte ihrer Brüder, so wie dich. Und ich werde ihm meine Worte in den Mund legen, und er soll ihnen alles verkünden, was ich ihm gebieten werde.”
Die Erfüllung dieser Worte predigt der Apostel Petrus im Tempel von Jerusalem, als er auf Jesus, den Sohn Gottes hindeutet (Apg 3,21-25). Jesus selbst bestätigte, dass schon Mose von ihm Zeugnis ablegte als den verheissenen Propheten, der im Namen Gottes kommen wird (Joh 5,45-57).
Das Ziel des Heilsplans Gottes war, Jesus Christus als Haupt der Gemeinde des neuen Bundes einzusetzen (Eph 1,22-23; Apg 20,28b). Um dieses Ziel zu erreichen, wurden Zeichen und Wunder vollbracht, um die Aufmerksamkeit der Menschen auf das Zeitalter des neuen Bundes zu lenken. Nachdem alle Zeichen und Wunder vollbracht und viele davon niedergeschrieben wurden (Joh 20,30-31), hörten diese übernatürlichen Ereignisse auf. Die Hauptaufgabe des Heiligen Geistes war es, in übernatürlicher Art und Weise auf Jesus Christus, den Erlöser für die ganze Welt, aufmerksam zu machen.
Missbrauch der Geistesgaben
Die meisten Informationen, die das Neue Testament über Geistesgaben gibt, erhalten wir von Paulus, der im ersten Korintherbrief 12-14 versucht, den Missbrauch der Geistesgaben aufzudecken und zu stoppen. Deshalb adressiert er seinen Brief direkt an die ganze Gemeinde (1,2). Diese Gemeinde hatte keinen Mangel an Gaben (1,7). Es gab viele Gaben, aber nicht alle Gläubigen besassen Geistesgaben (12,6; Apg 8). Eine Geistesgabe war nicht lebenslänglich, sondern diente nur für eine bestimmte Zeit, dann verschwand sie auch wieder.
Die Gläubigen in Korinth waren der irrigen Auffassung, dass die Zungenrede das Zeichen eines wirklich Gläubigen sei, der mit dem Heiligen Geist erfüllt war. Diese Geistesgabe stellten sie über alle anderen. Die Gemeinde in Korinth gab Paulus mehr Kummer und Tränen, als alle anderen Gemeinden. Paulus versuchte diese falsche Auffassung zu entlarven und erklärte, was in Gottes Augen wirklich wichtig ist für einen Gläubigen.
Die Ausübung der Geistesgaben in Korinth entsprach nicht dem Willen Gottes, weil sie missbraucht wurden. Im zwölften Kapitel deckt Paulus den Missbrauch der Geistesgaben auf und wirft den Korinthern vor, sie verhielten sich wie Heiden.
1. Korinther 12,12: „Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl es viele sind, einen Leib bilden, so auch Christus.”
Wie die Heiden im dionysischen Kult ihren Verstand durch das Trinken von Wein betäubten, um ihre Vernunft während ihrer kultischen Anbetung zu verlieren, schalteten die Gläubigen in Korinth ihre Vernunft aus (1Kor 14,14-16). Sie waren sogar bei der Feier des Abendmahls betrunken (1Kor 11,21). Die Gläubigen in Korinth hielten in ihren Versammlungen einen verwirrten und irrationalen Gottesdienst ab, indem sie wie bei den Ritualen im eleusinischen Kult in Ekstase gerieten. Alle redeten gleichzeitig durcheinander, ohne sich darum zu kümmern, verstanden zu werden. Auf diese Weise wurde die Gemeinde nicht erbaut (1Kor 14,26). Paulus verurteilte diese Form von Gottesdienst und wies die Gläubigen zurecht mit den Worten (1Kor 14,40): „Alles aber geschehe würdig und geordnet.”
Die griechischen Religionen ermutigten ihre Anhänger zu ekstatischen Äusserungen, um zu beweisen, dass die Götter bei und in ihnen redeten. Beeinflusst von diesen Mysterien missbrauchten einige Gläubige in Korinth die Geistesgaben, besonders die Zungen- oder Sprachenrede. Irrationale Reden dürfen in den Versammlungen der Gemeinde nicht geduldet werden (1Kor 14,28). Paulus erklärte im dreizehnten Kapitel seines Briefes, dass diese Geistesgaben vergehen werden (1Kor 13,8).
Leider liessen sich die Korinther von der Eingebung der Sprachenreden so sehr beeindrucken, dass sie sich gegenseitig zu übertrumpfen suchten und dabei die selbstlose Liebe vergassen. Deshalb argumentiert Paulus, dass selbst die grössten Wundergaben nichts nützen ohne die Liebe (1Kor 13,1-3). Paulus weist die Gläubigen zurecht, indem er sagt, dass jeder Anwesende verstanden und erbaut werden soll (1Kor 14,14-15). Damit der Glaube wachsen kann, muss die ganze Gemeinde alles verstehen können, was gepredigt oder gelehrt wird (1Kor 14,16.26).
Die göttlichen Gaben dürfen auf keinen Fall missbraucht werden. Doch gerade das geschah in der Gemeinde zu Korinth. Der Zweck der Geistesgaben war, dass sie vorübergehend wirksam waren und den Gläubigen dienen sollten.
Die inspirierten heiligen Schriften ersetzen sämtliche Zeichen und Wunder der damaligen Zeit, weil sie den Glaubenswachstum fördern und ausreichend befriedigen, damit der Mensch die heilende Rettung seiner Seele finden kann (2Petr 1,3).