1. Könige-10: Wer ist Isebel?

Wer ist Isebel?

 

 

Einleitung

Isebel kommt im AT vor und wird bei drei Ereignissen erwähnt:

1. Beim Wettstreit Elijas und den Baalspropheten auf dem Berg Karmel (1Kön 18,17-40).

2. Bei der Verschaffung von Nabots Weinberg (1Kön 21,1-16).

3. Bei ihrem grausamen Tod (2Kön 9,30-37).

Um Isebel zu verstehen, müssen wir uns mit dem Umfeld der wichtigsten Personen in ihrem Leben auseinandersetzen.

 

Der König Achab

Achab7, der Sohn Omris6, wurde siebter König über die 10 Stämme Israels (1Kön 16,29-33). Er heiratete die fremdländische Königstochter Isebel aus Sidonien. Er erzürnte den Herrn mehr als alle anderen Könige zuvor. Es heisst, dass er es ärger trieb, als alle seine Vorgänger (1Kön 16,33). Er betete Baal an und liess eine Aschera bauen (Tempel mit Altar). Am Ende tat er vor dem Herrn Busse (1Kön 21,29) und wurde in der Schlacht gegen die Aramäer von einem Pfeil tödlich getroffen (1Kön 22,29-40). Dabei wird gesagt, dass diese Sünden noch klein waren im Verhältnis zu Isebel, der Königstochter aus Sidonien, die er sich zur Frau nahm.

Genau vor diesen Mischehen warnte Gott das Volk Israel immer wieder, indem er gebot: Ex 34,12-16.

Genau das alles, wovor Gott warnte, traf durch die Heirat zwischen Ahab und Isebel ein! Fremdländische Frauen waren schön, verführerisch und beherrschten ihre israelitischen Männer, so dass sie immer gottloser wurden und sich den Götzen ihrer Frauen zuwandten. Das hatte verheerende Auswirkungen auf das ganze Volk Israel. Isebel liess die jüdischen Propheten umbringen und setzte Baals Propheten ein, die täglich bei ihr zu Tische sassen (1Kön 18,4.19). So fing das ganze Volk an, Götzendienst zu treiben und Götzenopferfleisch zu essen.

 

Der Prophet Elija

Der Prophet Elia versuchte mit allen Mitteln das Volk zu überzeugen, den lebendigen Gott anzubeten und nicht länger den toten Götzen zu dienen. König Achab und seine Frau Isebel stürzten das Land ins Unglück, weil sie die Gebote des Herrn verliessen und den Götzen nachliefen (1Kön 18,18). Deshalb verkündete er Achab, dass eine Dürre über das Land ziehen werde (1Kön 17,1; 18,1). Diese dreijährige Dürre hatte eine grosse Hungersnot zur Folge (1Kön 18,2; Lk 4,25; Jak 5,17).

Danach liess Elija alle Baals Propheten auf dem Berg Karmel zusammenrufen und veranstaltete ein Riesenspektakel (1Kön 18,25-40). Er forderte die Propheten heraus, indem er sagte (1Kön 18,24): „Der Gott, der mit Feuer antwortet, ist der wahre Gott.“ So bereiteten sie ihren Stier auf einem Altar zu und riefen einen halben Tag lang zu ihrem Gott, machten sich Einschnitte ins Fleisch, so dass Blut herauskam, doch ihr toter Götze konnte ihnen nicht antworten. Dann baute Elia dem Herrn einen Altar und legte einen Stier darauf. Anschliessend liess er dreimal vier Krüge Wasser über den Altar giessen, so dass es menschlich gesehen unmöglich war, dort noch ein Feuer zu entfachen.

Dann rief er den lebendigen Gott an mit den Worten (1Kön 18,36b-37): „HERR, Gott Abrahams, Isaaks und Israels, heute soll bekannt werden, dass du Gott bist in Israel und dass ich dein Diener bin und all dies auf dein Wort hin getan habe. Antworte mir, HERR, antworte mir, damit dieses Volk erkennt, dass du, HERR, Gott bist und dass du ihr Herz zurückwendest.”

Darauf fiel Feuer vom Himmel und verzehrte das durchwässerte Brandopfer samt dem Holz, dem steinernen Altar und dem Wasser (1Kön 18,38). Schliesslich befahl Elija die Baalspropheten zu ergreifen und zu töten (1Kön 18,40).

Nach dieser Heldentat fürchtete er sich vor Isebel, die ihm nach dem Leben trachtete und versteckte sich in einer Höhle in der Wüste (1Kön 19,1-3). Sie liess ihm mit anderen Worten sagen, dass jemand sterben werde; entweder sie oder er. Elija floh in die Wüste und anschliessend 40 Tage lang bis zum Berg Horeb (1Kön 19,4.8).

Es ist auffällig wie oft das Wort des Herrn an Elija erging (1Kön 17,2.8; 18,1; 19,9; 19,15). Trotzdem liess sich Elija so sehr entmutigen, dass er sich den Tod wünschte (1Kön 19,4). Diesmal vertraute Elija zu wenig auf den Herrn (Mt 10,28; 2Kor 4,16). Deshalb sagt Jakobus vermutlich, dass selbst der Gottesmann Elija menschliche Schwächen hatte (Jak 5,17). 

Der Herr sorgte für Elija und gab ihm immer wieder neue Aufträge (1Kön 17,4.9). Er salbte Jehu zum König über Israel (1Kön 19,16). Er sagte den Tod Isebels und Achabs voraus (1Kön 21,23; 2Kön 9,7.30-37).

 

Die sidonische Frau Isebel

Sie war die Tochter des sidonischen Königs Etbaal (1Kön 16,31). Weil Achab7 mit den Sidoniern ein Friedensbündnis einging, heiratete er die Tochter Etbaals (ca. 869 v. Chr.). Sie diente dem Baal und verführte Achab zum Götzendienst, so dass er für Aschera, die Göttin der Liebe, einen Tempel mit Altar errichten liess (1Kön 16,32). Bei Isebel sassen täglich 450 Baalspropheten zu Tisch (1Kön 18,19). Mit allen Mitteln versuchte sie ihren zügellosen Kult den Israeliten im Nordreich aufzudrängen. Sie liess viele Propheten des Herrn umbringen und wollte alle ausrotten (1Kön 18,4.13).

Isebel war dominant, ruchlos und ging bis zum Äussersten. Sie verfolgte ihren grössten Gegner, den Gottesmann Elija, weil er sich gegen sie stellte (1Kön 19,1-3). Als ihr Mann Achab ermordet wurde (2Kön 9,24), kontrollierte sie die Söhne, die an die Macht kamen und übte ihre Verbrechen weiter aus, so dass sie fast drei Jahrzehnte ihr Unwesen trieb. Schliesslich starb sie einen schrecklichen Tod und wurde von Hunden fast vollständig aufgefressen (2Kön 9,36-37).

Lektion: Früher oder später wird die Sünde einen Menschen einholen (Spr 5,22).

 

Die Gemeinde in Thyatira (Offenbarung)

Die grosse Schwäche der Gemeinde in Thyatira war, dass sie Isebel in ihrer Mitte gewährte. Dieser Name ist symbolisch zu verstehen und bezieht sich auf die Isebel im AT. Offensichtlich gab es in der Gemeinde eine einflussreiche Frau, die wie Isebel im AT einen negativen Einfluss auf die Gläubigen ausübte. Nur wenige Frauen sind so stark in Verruf geraten wie Isebel: 1Kön 16,29-33.

Isebel war Ahabs böser Geist und schuldig am Tod Nabots. In Kapitel 21 (vom ersten Buch der Könige) lesen wir, dass sie Nabot steinigen liess, damit Ahab endlich sein Grundstück kriegte. Auch nach ihrem Tod war der Name Isebel der Inbegriff für Hurerei, Abgötterei und Zauberei (2Kön 9,22). Isebel war bekannt als unmoralische Frau, die Ahab und Israel zum Baals Kult verführte.

Das ist eine schwere Anklage, wenn Jesus sagt: „Ihr habt eine Isebel in der Gemeinde!“ Die Isebel in Thyatira musste ganz ähnliche Qualitäten gehabt haben. Sie wurde beschuldigt: Unzucht zu treiben (dies könnte geistig und physisch zu verstehen sein!) und Götzenopferfleisch zu essen (besonders bei den Zünften). Dazu gab sie sich erst noch als eine Prophetin aus. Sie konnte die Glieder mit ihrer Lehre zum Teil überzeugen und negativ beeinflussen. Wir wissen nicht genau, was diese Frau konkret lehrte. Vermutlich lehrte sie nicht direkt in der Gemeinde, sondern lud die Leute zu sich nach Hause ein. Vielleicht war sie eine reiche Frau, die ein schönes Haus besass und von allen bewundert wurde. Feststeht, dass sie mit ihrem falschen Einfluss die Glieder immer mehr von der Wahrheit abwendig machte. Isebel war erfolgreich mit ihrer Taktik, weil sie das sagte, was andere gern hören wollten: 2. Timotheus 4,3-4.

Sie konnte z. B. den Christen klarmachen, dass es nicht erforderlich sei, sich gesellschaftlich zu isolieren, indem man sich von den erwähnten Zünften ausschloss. Bei diesen Zünften handelte es sich um Festmähler, die zumindest teilweise von einer religiösen Zeremonie begleitet waren. Wahrscheinlich traf man sich in einem heidnischen Tempel, wo man zuerst den Göttern ein Trankopfer darbrachte und anschliessend Götzenopferfleisch ass. An solchen Festen nicht teilzunehmen, bedeutete nicht nur gesellschaftliche Isolierung, sondern auch den wirtschaftlichen Ruin. Isebel plädierte dafür, dass die Christen sich der Welt mehr anpassen müssten, statt alles Weltliche strengstens abzulehnen. Sie lehrte, dass Christen ihre geschäftlichen Gepflogenheiten beibehalten könnten und dass ihre fundamentalistische Weltanschauung, die überall nur auf Widerstand stosse, sektiererisch und veraltet sei. Sie erklärte, dass die Menschen in der Welt für Gottes Gemeinde nur zu gewinnen seien, wenn man ihnen mehr entgegenkomme. Vielleicht vertrat sie die Meinung, dass voreheliche, aussereheliche oder gar homosexuelle Beziehungen keine Sünde seien.

Die Frage, die sich hier stellt ist: Warum hat sich die Gemeinde in Thyatira von dieser Frau nicht schon längst zurückgezogen? Dazu wird in Kommentaren erklärt, dass sie eine Ehefrau eines Predigers oder Ältesten in der Gemeinde gewesen sein könnte. Denn sie war eine einflussreiche Persönlichkeit. Sie konfrontierte die Menschen mit Sünde und bereitete ihnen damit grosse Probleme.

Es ist aber auch möglich, dass die Glieder in Thyatira wie in der Gemeinde zu Korinth dachten, sie seien grosszügige Denker, die nicht alles so eng sehen. Paulus musste sie ermahnen: 1Kor 5,1-2.6.9-11.

Den Epheser (5,11) sagte Paulus: „Beteiligt euch nicht an den unfruchtbaren Werken der Finsternis, sondern decket sie vielmehr sogar strafend auf!“

 

Schlussfolgerungen

Sünde ist ansteckend und selbst-zerstörerisch (Spr 8,36). Ein wenig Sauerteig vermag einen ganzen Teig zu durchsäuern (1Kor 5,6-7). Was der Mensch sät das wird er ernten (Gal 6,7). Gottes Weisheit zu besitzen ist besser als die modernsten Waffen, denn ein einziger Fehlentscheid kann viel Gutes zerstören (Koh 9,18).

Der Mensch ist ein zweiteiliges Wesen:
Unser äusserer Mensch kann aufgerieben werden, aber unser innerer Mensch wird durch Gottes Kraft von Tag zu Tag erneuert (2Kor 4,16). Wir können in uns das Böse oder das Gute fördern (Mt 15,19). Deshalb ist es wichtig, dass wir auf unsere Gedanken achten (Spr 4,23), denn der Gedanke ist der Same zur Tat. Der Herr urteilt nach unseren Herzen und nicht nach dem Äusseren, das vergeht (1Sam 16,7).

 

Die Sünden Achabs7, des Königs über die Nordstämme

- Achab regierte insgesamt 22 Jahre über Israel (1Kön 16,29).

- Er liess den König Ben-Hadad nicht umbringen (wie der Herr geboten hatte), sondern machte sogar einen Bund mit ihm (1Kön 20,31-43). Er nannte den gottlosen König seinen Bruder.

- Er liess sich mit fremden Völkern und ihren Götzen ein. Er reizte den Herrn mehr, als alle übrigen Könige Israels (1Kön 16,33).

- Er heiratete eine fremdländische Frau (Isebel, Dtn 7,1-6; 1Kön 11,1-8) und diente dem Baal, dem Fruchtbarkeits- und Wettergott (1Kön 16, 31).

- Er baute eine Aschera (d. h. einen Tempel mit Altar für die Göttin der Liebe: 1Kön 16,33).

- Er hörte nicht auf den Propheten Gottes: Er trachtete Elija nach dem Leben, weil der eine Dürrezeit von drei Jahren voraussagte (1Kön 17-19), als Folge, dass Achab die Gebote des Herrn verliess (1Kön 17,1; 18,1.18).

- Achab tat am Ende vor dem Herrn Busse (1Kön 21,29) und wurde in der Schlacht gegen die Aramäer von einem Pfeil tödlich getroffen (1Kön 22,29-40).

 

Die Sünden Isebels, der Ehefrau von Achab7, König über die Nordstämme

- Isebel war gottlos, die Tochter des Etbaal, des Konigs der Sidonier (1Kön 16,31).

- Sie diente dem Baal und kümmerte sich nicht um Gottes Gesetz (1Kön 16,32).

- Sie brachte über 450 Baalspropheten ins Land Israel (1Kön 18,19; Ex 20,3).

- Sie wollte die Anbetung Gottes in Israel ausrotten und liess viele Propheten des Herrn töten (1Kön 18,4).

- Sie trachtete Elija nach dem Leben (1Kön 19,2).

- Sie war habgierig, egozentrisch und hatte einen starken Eigenwillen (1Kön 21,1-14).

- Sie verschaffte ihrem Mann auf hinterlistige Art den Weinberg Nabots (1Kön 21).

- Ihre Bosheit kostete ihrem Mann Achab das Leben (22,1-22).

- Sie war dominant und stiftete ihren Mann zum Bösen an (1Kön 21,25).

- Sie war gemein, verächtlich, herzlos, log, verunglimpfte und mordete skrupellos (1Kön 21,10).

- Sie war verantwortlich für den Abfall des Volkes Israel von Gott (2Kön 9,22).